Review: Esben and the Witch & Mio Myo

Gepostet von am Mai 30, 2011 in Konzerte | Keine Kommentare

Gestern Abend habe ich mich auf den Weg ins K4 gemacht, um Esben and the Witch zu sehen.
Um Haaresbreite hätte ich total verpasst, dass diese junge Band von der Insel überhaupt in Nürnberg zu Gast ist. Aber Gott sei Dank bin ich dann doch noch darauf gestoßen.
Esben and the Witch wurden ja dieses Jahr schon heftig gehyped, ja sogar als “die nächsten The XX” bezeichnet. Ich selbst war bisher ganz gut um diese Euphorie herum gekommen. Mehr als zwei Mal hatte ich das Album bisher nicht gehört. Lediglich der Marching Song hatte es mir samt seines Videos etwas angetan. Aber wie das ja so oft ist, wollte ich die volle Live Dröhnung. Manche Bands muss man einfach hautnah erlebt haben, um ihren Scharm zu entdecken. Gesagt, getan! Sonntagabend aufgerafft und voller Erwartungen den Club betreten. Erster Eindruck vom Publikum: ganz anders als erwartet. Die typische Indie Fraktion. Ich hatte irgendwie viel mehr düstere Gestalten erwartet…
Vor Ort habe ich dann auch erst erfahren, dass eine Vorband auftreten wird. Mio Myo sind scheinbar relativ kurzfristig als Supportact eingesprungen. Ich kannte die Band vorher überhaupt nicht, wusste also nicht was mich erwartet. Um ehrlich zu sein waren sie mir schon fast egal. Ich wollte ja schließlich Esben and the Witch sehen.

Pünktlich um 21 Uhr erklang dann auch die erste Gitarre begleitet von Synthi Melodien, Bass und Schlagzeug. Vom ersten Takt an zuckte es in meinen Füßen. Das war schon mal ein gutes Zeichen! Mio Myo machen Ghost Rock und wie sich nach anschließender Recherche herausstellt, haben die Jungs auch schon einige große Bands wie MGMT, The Whitest Boy Alive und !!! (Chk, Chk, Chk) unterstützt. Der Frontmann strahlte sympathische Indie-Verpeiltheit aus und hatte immer einen netten Spruch auf Lager. Das Publikum wurde von Anfang an einbezogen. Die Jungs hatten Spaß am Spielen und das merkte man auch. Ich war sofort hin und weg. Catchy Melodien, mitreißende Vocals und clever eingesetzte Effekte sowie Drummachines rundeten das Gesamtpaket ab. 45 Minuten vergingen da wie im Flug. Von Titel zu Titel hatte man das Gefühl, einen neuen Lieblingssong zu hören, den man spontan ins Herz geschlossen hat.
Nach dem Gig bin ich dann sofort zum Merch Stand gespurtet und hab mir das aktuelle Album HYPER ROMANTIC SYMBOLISM gekauft. Eins stand fest: Jetzt wird es schwer die Stimmung zu halten und an dieses Erlebnis anzuknüpfen.

Nach einer knapp viertelstündigen Umbaupause standen Esben and the Witch dann auch schon in den Startlöchern. Ihr Setup ist wohl eher als außergewöhnlich zu beschreiben. Eine Drummachine für die spärlich gesäten Beats. Ein bisschen Schlagwerk für perkussive Einlagen. Allerlei Gitarren (keine Akustik) und ein Kaoss Pad. Alles wird dabei von der Stimme der Sängerin Rachel Davies zusammen gehalten. Für alle, die die Band nicht kennen: Esben and the Witch machen “Nightmare Pop“. Das klingt erstmal komisch. Aber was die englische Presse an Vokabular erfindet, war ja schon immer diskussionswürdig…

Alle Lichter gingen aus, die ersten Töne erklangen. Schnell wurde aber klar: Hier passt was nicht… Probleme mit der Gitarre bzw. den Effekten kosteten fast 10 Minuten Zeit, in denen notgedrungen improvisiert werden musste. Fragmenthaft war schon der Marching Song zu erkennen. Nach allerlei Gebastel und nervösem Auf und Ab auf der Bühne, spuckte die zweite Gitarre dann doch einen Teppich aus bis zur Unkenntlichkeit verzerrten Tönen aus. Jetzt aber wirklich, der Marching Song, wohl bekanntester Titel der Band gleich am Anfang.
Leider war das dann auch schon fast das Highlight der Show… Eingefleischte Fans werden mich wohl beschimpfen. Aber ich fand alles etwas “unprofessionell”. Großes Problem der Band: Die Songs des Albums und deren Arrangements live umsetzen. Irgendwie schien hier nichts so recht zu passen. Dauernd stieg einer der Gitarristen aus, musste sich hinknien und an seinen Effekten basteln. Dann ständig dieses “klick” wenn die Gitarre gewechselt wurde. Das nervte schon etwas. Allein der Gesang hielt zeitweise die ganze Performance zusammen. In diesem Punkt gibt es aber sonst nicht viel zu meckern. Singen kann die gute Frau wirklich. Auch wenn eine gehörige Portion Echo wohl fast jeden nach Nachtigall klingen lässt.

Nun aber mal zur Inszenierung. Denn da wird vieles wieder wettgemacht, was der Sound etwas zerstört hatte. Wenn sich die 3 Bandmitglieder um die Drums versammeln, um gemeinsam darauf einzuschlagen, dann hatte das schon etwas Mystisches. Da kam wirklich Hexenatmosphäre auf. Rachel schmiss sich die Haare ins Gesicht und Tanzte wie vom Teufel höchst persönlich besessen. In solchen Momenten konnte die Band überzeugen und voll ihre mystische, kalte Stimmung entfalten. Rein musikalisch verkam das Gitarrenspiel Großteils in einen riesigen Haufen Effektmatsch. Andererseits gab es auch einige Glanzpunkte, bei denen das Zuhören durchaus Spaß gemacht hat. Gelinde gesagt, könnte man von einer “durchwachsenen” Performance sprechen.

Fazit des Abends: Esben and the Witch können ihrem Hype bei Weitem nicht gerecht werden und sollten an ihrem Live Konzept arbeiten. Inszenierung – Hui, Sound – Pfui.
Mio Myo haben die Messlatte einfach ein Stückchen zu hoch gelegt. Super Musik von sympathischen Jungs. Der neue Favorit im CD Regal!

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