Is Tropical – Native to
Endlich, es ist Sommer. Die Temperaturen steigen und die Gemüter erhitzen sich. Von tropischen Zuständen sind wir in Deutschland aber noch weit entfernt. Das kann auch die Frauenfußball WM nicht wirklich ändern…

Aber zum Glück kommt genau im richtigen Moment das Indie-Elektro Trio Is Tropical aus London mit ihrem neuen Album daher. Die drei jungen Musiker formierten sich erst 2009 und bringen seither viele Kritiker zu überschwänglichen Lobgesängen. Das französische Label Kitsune ist sofort auf die Jungs aufmerksam geworden und veröffentlicht nun ihre Musik. So natürlich auch Native to, um das es hier gehen soll.
Nach dem Druck auf die Play Taste donnert das erste Gitarrenriff vom Opener South Pacific aus den Boxen. Kitsune Fans dürften den Song bereits von der Label Compilation 10 aus dem Jahr 2010 kennen. Seitdem hat er aber keinerlei Faszination eingebüßt. Wunderschön, flockig leichte Synthesizer Melodien, die einen davon tragen, bevorzugt in den Süd Pazifik natürlich. Die Textzeile „We are falling so far from Now“ dürfte ja wohl alles sagen. Pop at its best!
Nach einem kleinen Zwischenspiel nimmt Land oft the Nod voll Anlauf und geht direkt in die Füße jedes tanzwilligen Elektro Pop Fans. Krachende Synthi Bassline, waschechte Pop Melodie und Vocals mit Wiedererkennungswert. Das ganze klingt so frisch und fröhlich, dass jede Regenwolke schnell das Weite sucht.
Nummer 3 auf dem Album ist der Song Lies. Bereits nach dem ersten Mal anhören wusste ich, das ist mein favourite Track auf der CD. Von vorne bis hinten einfach nur catchy und eingängig. Genügend Potential um jede Indie Disko ordentlich zum Eskalieren zu bringen aber trotzdem Massentauglich. Der Feldversuch wurde bereits letztes Wochenende auf einem kleinen Dorffest unternommen. CD geschnappt, Lied gewünscht und die Tanzfläche war voll mit Disco Fox tanzenden Damen und Herren sowie Jungs und Mädels. ACHTUNG MEGAHIT GEFAHR!
Einen solchen Einstieg in ein Album hab ich echt selten gehört. Drei Songs auf extrem hohem Niveau, kurzweilig aber dennoch fesselnd und absolut Partytauglich. Da schließt der nächste Track, The Greeks, auch nahtlos an. The Greeks ist die zweite Single der Band und bringt eine etwas andere Instrumentierung mit sich. Die Gitarre (auf Griechisch getrimmt) wird von allerhand Synthesizer begleitet und baut ein leicht mediterranes Flair auf. In mir werden beim Hören immer wieder Erinnerungen an die guten Zeiten von Digitalism geweckt… vielleicht geht’s euch ja da genauso?!
Fast unbemerkt vollzieht sich der Übergang zu What??? Wieder ein solider Popsong aber ohne große Schnörkel und leider auch mit weniger Wiedererkennungswert. Aber immerhin eine nette Parole in der Hook, die jeder spätestens beim Zweiten Mal mitgrölen kann. Die „Temptaion to be good“ steckt ja schließlich in jedem von uns.
Zum nächsten Song gibt’s wieder eine kleine Anekdote. Erstmals hörte ich das Album, als ich im Auto unterwegs war. Meine Oma saß auf der Rückbank und musste diese ganze „neumodische Musik“ über sich ergehen lassen. Aber ich war überrascht, dass sie gar nicht meckerte. Im Gegenteil! Als die ersten Takte von Clouds aus den Boxen schallten, sagte sie nur: „Das is bis jetzt es scheenste Lied. Da kann man wenigstens tanzen!“. Und so ist es in der Tat. Mit einem Beat, wie direkt aus Silbereisens Rentner Show, grooved Clouds über die Tanzflächen diese Welt. Die Vocals nehmen einen mit in die wolkigen Höhen des Himmels und lassen einen alle Sorgen vergessen.
Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich beim Hören des Albums selten über Titel 6 hinaus komme. Das liegt daran, weil diese 6 Songs einfach so gut sind, dass man sie immer wieder hören muss! Aber ihr wollt natürlich alles wissen, also geht’s weiter mit Titel 7. Der heißt I’ll take my Chances und hat die ersten Indie typischen Gitarren im Gepäck. Der Song ist im Ganzen auch das, was man am ehesten von einer Indie Elektro Band erwartet. Nämlich kurzweilige Gitarrenmusik untermalt mir etwas Synthi Gedudel. Genau dieser Stereotyp wird auch bedient. Wieder auf hohem Niveau. Da gibt es nichts zu meckern!
Auch bei Oranges gibt’s nichts zu Meckern. Man merkt, dass in der zweiten Hälfte des Albums die Gitarre vermehrt zum Einsatz kommt. Das tut gut, denn so nutzt sich die permanente Synthesizer Beschallung nicht so schnell ab. Oranges kommt dann überraschend mit einem wunderschönen Refrain untermalt von einer Gitarre. Beschreiben fällt mir da sehr schwer, also hört am besten selbst.
Der nächste Track trägt den Titel unserer wunderschönen Hauptstadt Berlin. Erstmals werden etwas ruhigere Töne angeschnitten. Eine nette Abwechslung zu dem ganzen Krach, der bisher veranstaltet wurde. Und wieder wird man in eine andere Welt mitgenommen, wenn mit der Zeile „I let myself go“ und sphärisch schwebenden Synthi Lead Sounds zum kollektiven Schweben angeregt wird.
Dann vollzieht sich ein äußerst kontrastreicher Sprung zum nächsten Hit. Think We’re Alone hat einen Gitarrenloop an Bord, der nur einen Zweck hat. Nämlich gute Laune und Tanzbarkeit. Viel vermag ich auch hier nicht zu sagen. Außer – super gemacht!
Die letzten zwei Titel des Albums, Zombies und Seasick Mutiny fasse ich jetzt mal als nette Dreingabe zusammen. Sie fügen sich irgendwie nur schwer in das Gesamtbild des Albums ein und können auch musikalisch nicht so recht mithalten. Seasick Mutiny ist gleichzeitig das einzige rein instrumentale Stück der Platte. Insofern eigentlich kein schlechtes Ende für eine überaus gelungene Platte. Tropisch geht es in jedem Fall zu. Wer da keine gute Laune bekommt, dem ist wohl nicht mehr zu helfen. Genügend potentielle Lieblingslieder sind auf jeden Fall dabei. Da kann sich jeder sein ganz persönliches aussuchen.

Wir freuen uns schön tierisch, wenn Is Tropical beim Melt! Festival in zwei Wochen in Ferropolis zu Gast sind. Dann werden wir mit Sicherheit irgendwo ganz vorne stehen, schwitzend im Sonnenschein durch die Gegend hüpfen und Hooklines grölen!
Bis dahin,
schönen Sommer!
8/10 Punkte