Plattenkritik: Tocotronic – “Wie wir leben wollen”

Gepostet von am Januar 27, 2013 in Featured Articles, Plattenkritiken | Keine Kommentare

Plattenkritik: Tocotronic – “Wie wir leben wollen”

Zum 20 jährigen Bandjubiläum beglücken uns Tocotronic mit einem, wieder etwas umfangreicheren, 10. Studioalbum. „Wie wir leben wollen“ erschien am Freitag den 25.01 und wartet nicht nur mit dem bis dato konstruktivsten Albumstitel auf, sondern auch mit sage und schreibe 17 neuen Stücken.

„Wie wir leben wollen“ ist nun also der Nachfolger des groß gefeierten „Schall und Wahn“, welches 2010 nicht nur 7 Wochen die deutschen Album-Charts auf Platz eins besetzte, sondern auch den letzte Teil der sogenannten Berlin-Trilogie darstellt ( Teil 1: Pure Vernunft darf niemals siegen, Teil 2: Kapitulation). Dementsprechend groß war und ist natürlich die Spannung, ob es nun in eine neue musikalische/textliche Richtung gehen wird und wenn ja, in was für eine.  

Stolze 17 Stücke umfasst das neue Werk nun, und eins sei vorweggesagt: schnell mal durchhören geht hier nicht! Für dieses Album muss man sich Zeit nehmen und das kann am Anfang auch ganz schön anstrengend sein. Aber die Mühe lohnt sich! Beim ersten Durchgang fällt sofort auf: Hier wurde wieder feinsäuberlich komponiert, Harmonien gestapelt und Gesangspuren übereinandergelegt. Das ganze Album ist musikalisch wohl eines der poppigsten des Tocotronic Schaffens und wartet mit einigen kleinen Spielereien auf. Eine Lap-Steele Guitar die sich in „Chloroform“ durch das Lied schlängelt oder aber auch der Hörnersatz, der sich am Ende von „Neue Zonen“ die Ehre gibt. Dies trägt entscheidend dazu bei, dass sich das Album musikalisch eher als einen Flickenteppich beschreiben lässt und nicht als musikalischen Einheit daher kommt.

Inhaltlich und textlich fügen sich dann aber alle Lieder einwandfrei in das Album Thema „Wie wir leben wollen“ ein. Dirk von Lowtzow hat wieder in seiner gewohnten Weise und Qualität Texte verfasst, die ihresgleichen suchen. Bei „Warte auf mich am Grund des Swimmingpool “ zeichnet Lowtzow mit Worten derart grandiose Bilder, dass man sich fragt, warum der Swimmingpool nicht schon früher Haupt- und Angelpunkt eines traurig schönen Liebesliedes war. Mit dem Vorsatz „Ich will für dich nüchtern bleiben“ schafft es von Lowtzow wieder einmal einen Slogan zu schaffen, der wohl in nächster Zeit so manche Liebesnachricht unterstreichen wird. Auch mit der Zeile: „ wir haben weiche Ziele/ wir sind Plüschophile“ wird an alte Wortneuschöpfungen ála Zweifelshefe („Schall & Wahn“) angeknüpft. Aber es ist natürlich auch hier nicht alles Gold was glänzt, ein paar Stücke wirken schon sehr recycelt und einige Stücke werden von von Lowtzow doch sehr „zersungen“.

Das Fazit, das sich nach fast einer Woche ziehen lässt: Tocotronic liefern ein solides Album ab, in dem sie allerlei ausprobieren, sich ihrem Stil aber dennoch treu bleiben. Wer dem Album genügend Zeit gibt, sich zu entwickeln, wird nach einiger Zeit kaum noch davon loskommen. Suchtcharakter garantiert.

Anspieltipps: Warte auf mich auf dem Grund des Swimmingpools, Ich will für dich nüchtern bleiben, Chloroform, Die Revolte ist in mir

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