Spring Breakers, ihr Fotzen!

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Nürnberg, 25.03.2013: Vier junge Menschen begeben sich nach getaner Arbeit ins Kino, um einen netten Abend zu verbringen. Am gleichen Tag beginnen die Osterferien in Bayern. Eine Gruppe junger Türkinnen hatte die gleiche Idee. Sie sitzen direkt hinter uns und sind ausgelassen.

Der Vorhang öffnet sich, der DLP Projektor setzt sich in Gang und das Spektakel beginnt. Zuerst – Schock! Die Ohren werden von Dubstep Vergewaltiger Skrillex geschändet. Cliff Martinez, seit dem Drive Soundtrack einer meiner absoluten Helden, wühlt tief in der EDM Kiste und schmeißt dem Zuschauer mit „Scary Monsters And Nice Sprites“ gleich die erste unmissverständliche Ansage um die Ohren. Hier wird geklotzt und nicht gekleckert! Die Bilder von Regisseur Harmony Korine passen zur testosterongeladenen Musik. Frauen in knappen Bikinis, Frauen ohne Bikinis, Frauen mit schönen Brüsten, Frauen mit gigantischen Brüsten, Großaufnahmen von Brüsten ohne Frauen. Zwischendrin wackelnde Ärsche, ausgelassenes Tanzen, Drogenkonsum und Jungs, die Bier aus ihrer Penisregion in die geöffneten Münder von barbusigen Frauen spritzen. Da lacht das Herz und man hofft insgeheim schon, dass es die nächsten 90 Minuten so weiter gehen wird.

spring breakers 2Natürlich kann es das nicht, denn irgendwie muss ja auch so etwas wie eine Geschichte um die Disney Bitches Gomez und Hudgens, sowie ihre beiden Filmfreundinnen Benson und Korine erzählt werden. Diese beginnt im tristen College Alltag. Die vier sind ausgebrannt, haben keinen Bock mehr und wollen unbedingt raus. Zum Spring Break soll es gehen, da wo sich alle tummeln, ausgelassen sind, Spaß haben und alle Sorgen vergessen. Doch vorher gibt es ein Problem: Das liebe Geld ist knapp.

Und was macht man, wenn man gut aussieht, weiblich ist und keine Hose im Schrank hat, die die Pobacken komplett bedecket? Richtig, man überfällt natürlich mit Sturmhaube, Spritzpistole und Hammer ausgestattet den örtlichen Diner! Diese Szene ist das erste Highlight (neben den vielen Brüsten natürlich…), denn man sieht das Geschehen komplett von außen, durch die Scheiben des Diners. Natürlich geht alles glatt, Geld ist in rauen Mengen vorhanden und der Spring Break Trip kann beginnen. Es gibt noch mehr Brüste zu sehen, Marihuana wird konsumiert und die ein oder andere Nase Koks kitzelt die sensiblen Disney Schleimhäute.

Zwischen all den total überdrehten Partyszenen, den tief dröhnenden Bässen und den knalligen Farben kommt ein weiteres Stilmittel zum Tragen. Monologe! In Spring Breakers wird die Handlung zu Großteilen von Monologen vorangetrieben. Diese kommen meistens auch noch aus dem Off. Und um noch mehr Verwirrung zu stiften, redet die Off Stimme meist ganz anderes Zeug, als die gezeigten Figuren in der Szene. So wird in einem Telefonat der Mädchen mit der guten alten „Omi“ berichtet, wie schön das Springbreak doch sei, wie nett alle Menschen sind, dass dies die Zeit des Lebens wäre und das man sich nun endlich selbst gefunden hat. Dabei gibt es wieder Partyszenen, Sonnenuntergänge, Brüste und Drogen zu bestaunen.
Doch dann ist Schluss mit lustig. Polizeieinsatz, Festnahme, Knast! Die harten Disney Bitches räkeln sich sexy im Blaulicht und verbringen die Nacht im Gefängnis (natürlich im Bikini….). Zeit für den großen Auftritt von James Franco, aka Alien. Mit goldenen Zähnen, schlecht gestochenen Tattoos und jeder Menge Gangster Attitüde kauft er die Mädels aus dem Knast frei. Die schüchterne Faith (Gomez) hat keinen Bock mehr und will wieder zurück in ihrer Kirchensekte. Das war’s also mit ihrem Ausflug in die Arthouse Welt. Viel Text hatte sie nicht aber das brave Mädchen Image wackelt ordentlich. Gut gemacht!

spring breakers 3Die drei verbliebenen Mädchen gehen mit zu Alien und beschließen, mit ihm krumme Dinger zu drehen. Warum auch immer… Von nun an wird alles total abgedreht. Noch mehr Stimmen aus dem Off, noch mehr Blicke auf zukünftige Handlungsschnipsel, noch mehr Rückblenden. An einer Stelle wird das ganze so weit getrieben und ein Dialog einfach 5 oder 6 Mal zu verschiedenen Bildern geschnitten. Ziemlich cool und zumindest für mich eine komplett neue Erfahrung.

 

Übrigens hatten zu dieser Zeit die türkischen Mädels hinter uns das Kino schon verlassen. Man hörte nur ein „Ihhhhh, das ist ja wie im Porno!“ und „das hatte ich mir ganz anders vorgestellt“ bis zum finalen „çüş, den Scheiß schau ich nicht weiter an!“. Dann war es still hinter uns. Für alle die es noch nicht wussten: Spring Breakers ist kein Teeniefilm!

Auf jeden Fall haben diese Mädels das absolute Highlight verpasst. Ich übertreibe wahrscheinlich nicht, wenn ich folgende Szene zu meinem Filmmoment 2013 küre:
Alien sitzt im Sonnenuntergang an seinem weißen Klavier, vor ihm der Pool seiner Villa. Die verbliebene Disney Bitch samt ihrer beiden Freundinnen kommt ins Bild. Sie tragen Trainingshosen und rosa Camouflage Tops und ebenfalls rosa Sturmhauben. Verziert werden diese mit einem süßen Einhorn. Und als ob das nicht schon der totale Overkill ist, sind alle drei mit Schrotflinten bewaffnet und singen Everytime von Britney Spears. Einfach nur grandios grotesk und komplett überzogen!
Am Ende gibt es dann noch die große Showdown Schießerei. Doch da geht es weniger um Geballer, sondern wieder um das Drumherum. Gelbe Neon Bikinis leuchten im Schwarzlicht, Hintern wackeln und die Bösewichte fallen wie die Fliegen. Im Hintergrund läuft natürlich wieder die Stimme aus dem Off. Der Clou dabei: Sie erzählt denselben Text wie anfangs im Telefonat mit Omi. Nur dieses Mal sind die gezeigten Bilder das genaue Gegenteil. Wirklich sehr gut gemacht Herr Korine!

[box type=“bio“] Man kann nun viel versuchen zu interpretieren. Ernst nehmen sollte man den Film auf jeden Fall nicht. Hier ist absolut jedes Detail komplett überzeichnet. Schönheitsideal wohin man schaut, der amerikanische Traum in seiner extremsten Form, Drogen, Alkohol, Sex und Geld. Vier Mädels vom College mittendrin. Spring Breakers ist keine leichte Kost. Man sollte wissen, worauf man sich einlässt. Wer eine seichte Teenie Komödie erwartet sollte wohl besser American Pie auf DVD anschauen. Wirklich tiefgreifende Gesellschaftskritik ist Spring Breakers aber auch nicht. Jeder kann selbst entscheiden, wie viel er in die gezeigten Szenen hinein interpretieren will. Ich für meinen Teil bin nun, ein paar Stunden nach verlassen des Kinos, immer noch total geflashed und positiv überrascht![/box]

 

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