The Summer Of Love

Gepostet von am September 4, 2013 in Featured Articles, Tobi langweilt euch mit seinem Leben | 3 Kommentare

The Summer Of Love

‘Cause I‘ve had the time of my life…
Langsam aber sicher heißt es – Abschied nehmen. Abschied von den vergangenen Monaten. Abschied vom Sommer. Abschied von der grünen Natur. Und leider auch Abschied von lieb gewonnenen Menschen. Doch eines kann mir niemand nehmen und das sind die vielen schönen Erinnerungen daran!

 

 

 

Es gibt Jahre, die sind von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Es gibt Jahre, in denen man glaubt, der König der Welt zu sein. Es gibt aber auch Jahre, da kommt beides zusammen. 2013 gehört bereits nach 8 überlebten Monaten zur goldenen Mitte. Es startete verhalten, legte dann leicht zu, brach plötzlich auf den absoluten Nullpunkt zusammen, rappelte sich aber recht schnell wieder auf und setzte dann zum Höhenflug an. Heute will ich mir kurz die Zeit nehmen und diesen Höhenflug Revue passieren lassen.

FotoEnde Mai passierte es. Loisl, Einer unserer engsten Freunde kam bei einem Unfall in Vietnam um‘s Leben. Von einer Sekunde auf die andere lag unsere heile Welt in Schutt und Asche. Wir rauften uns zusammen, verbrachten viel Zeit miteinander und besuchten Loisls Familie, wann immer es uns möglich war. Als eine Art Ritual fuhren wir eine Woche nach seinem Tod nach Frankfurt, den Ort, an dem wir ihn 8 Monate zuvor verabschiedet hatten. Wir besuchten die Stelle, an der wir zuletzt mit ihm saßen und Jägermeister tranken. Wir stürmten das Robert Johnson und feierten zu House und Disco. Denn genau das hätte er auch getan! Wir lagen uns auf der Terrasse in den Armen und heulten wie die Schlosshunde. Wir waren füreinander da, weil es uns gegenseitig gut tat.

 

 

Die kommenden Wochen stolperte ich von einer Party in die nächste. Ich wollte einfach nur nicht daran erinnert werden, was geschehen war. Also startete ich direkt im Anschluss meine Festivalsaison bei Rock im Park. Als ich dort auf Loisls Schwester traf, war ich zutiefst beeindruckt von ihrer Kraft.  Wie als sei nichts passiert, stand sie plötzlich mit einem Dosenbier in der Hand vor mir. Ihr Schmerz sitzt bis zum heutigen Tag genau so tief wie noch am Anfang. Das weiß ich ganz genau, denn mir geht es da nicht anders. Doch wir gehören zu den Menschen, die anders mit ihrem Kummer umgehen. Wir leben unser Leben. Wir gehen raus, verbringen Zeit mit den Menschen, die wir lieben. Denn keiner weiß, wie lange uns noch die Gelegenheit dazu bleibt. Glück und Trauer liegen oft nur Sekunden auseinander. Als Casper „Mittelfinger Hoch“ spielt, schrie ich wie wild herum und riss die Hände in die Höhe. Im nächsten Moment trifft es mich wie ein Schlag ins Gesicht, als mich „Michael X“ wieder auf den Boden der Tatsachen zurück holt. Solche Momente gab es viele in diesem Sommer. Und ich bin dankbar dafür, sie erlebt haben zu dürfen.

Das Studium und die Klausurphase zog in diesem Sommer nur so an mir vorbei. Der Elan zu lernen hatte seinen Grenzwert irgendwo bei Null. Mitten in der heißen Vorbereitungsphase machte ich mich auf zur Fusion. Was ich dort erlebt habe, kann eigentlich kaum in Worte gefasst werden. 5 Tage lang lebte ich in einem Paralleluniversum, in dem es nur Musik, Freunde und Party gab. Die Tage begannen euphorisch und endeten eigentlich nie. Es folgte einer der Höhepunkte des Jahres, als Âme den Track „Madeleine“ von Konstantin Sibold spielte. Ich war mittendrin in der Musik, in den Menschen, in unserer kleinen Gruppe, im Stroboskop-Gewitter. Plötzlich war auch schon wieder Montag und der Alltag kam mit unaufhaltsam, großen Schritten näher.

Danach rotzte ich irgendwie drei Klausuren hin und machte mich direkt im Anschluss zusammen mit Lexi auf den Weg zum Melt! Festival. Die Hitze machte uns schwer zu schaffen, konnte aber unseren Willen zu feiern nicht brechen. Es war unser erstes gemeinsames Festival und auch eine der letzten großen gemeinsamen Aktivitäten. Denn ihr Umzug nach Hamburg war längst in trockenen Tüchern. Auch sie war von Loisls Verlust schwer getroffen worden. Und so wiederholten wir die Ereignisse von der Robert Johnson Terrasse und saßen heulend auf der Tribüne der Mainstage, während Alt-J ihre Interpretation von „A Real Hero“ von College zum Besten gaben. Ein weiterer Schlüsselmoment war die Begegnung mit einer netten Marlboro-Promo-Dame, mit der ich eine Partytröte gegen eine Einwegkamera tauschte. Von da an nahm der Summer Of Love seinen Lauf in analoger Form.

Im Anschluss schrieb ich noch eine letzte Klausur, danach war das Semester gelaufen. Wie durch ein Wunder war es das beste Semester, das ich jemals hatte! Diesen Umstand nehme ich zum Anlass und werde ab sofort weniger lernen und mehr feiern. Scheinbar verhalten sich Alkoholkonsum und Noten direkt proportional. Je mehr Alkohol und Party, desto bessere Noten. Kein Wunder, dass viele Genies unserer Zeit Suffköppe waren…

Die Hitzewelle hatte Deutschland nun schon seit Wochen fest im Griff und ein Ende war auch nicht in Sicht. Ich verbrachte die meiste Zeit auf Arbeit, während sich die anderen faulen Schweine am See tummelten. Der August stand vor der Tür und mit ihm das nächste Festival. Wir brachen in den Harz auf, um zum dritten Mal in Folge das Rocken am Brocken Festival zu besuchen. Aber eigentlich war das Festival nur ein Vorwand, denn Bands wollten wir im Endeffekt kaum sehen. Also entwickelte sich das Wochenende zu „Zelten mit Freunden“. So viel Spaß wie am Brocken, so viele sinnlose/tiefsinnige Gespräche, so viele witzige Spiele hatte ich schon lang nicht mehr erlebt. Wir saßen den lieben langen Tag unter unserem Pavillon, das Bier kühlte im Planschbecken, es floss reichlich Gin Tonic und zur Abkühlung duschten wir uns gegenseitig mit unserer hübschen, roten Gießkanne. Etwas Musik haben wir auch mitbekommen. Natürlich war die analoge Kamera wieder mit von der Partie und so ist unter anderem folgendes Bild entstanden:

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Doch der August hatte noch mehr zu bieten. Z.B. das Konzert von Kettcar im Nürnberger Serenadenhof. Oder unsere legendäre Bierwanderung auf dem Fünf-Seidla-Steig in der fränkischen Schweiz. Im engsten Kreise wanderten wir bei strömendem Regen durch Felder, Wiesen und Wälder und genossen das regionale Bierangebot. Die Tour hatte ich im April zum Geburtstag geschenkt bekommen. Im August war es nun endlich an der Zeit, den Gutschein einzulösen. An diesem Tag bekamen wir alle von Lexi unsere „I.C.♥.C. – Inner City Love Crew“ T-Shirts geschenkt. Es sollte unser letztes gemeinsames Aufbäumen werden, bevor das Leben uns in den nächsten Wochen an neue Orte verschlägt.

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Am selben Wochenende stand auch noch ein kleiner Kulturschock auf dem Programm. Ich sollte in Hildburghausen auflegen. Die Plattentasche war prall gefüllt mit deepem House und Disco Scheiben. Doch irgendwie hatte ich schon im Vorfeld das Gefühl, dass diese Party etwas aus dem Ruder laufen könnte und beschloss, meinen Laptop zusätzlich einzupacken. Eine gute Entscheidung, wie sich herausstellte! Nach unzähligen Rum-Cola-Gemischen und den musikalischen Abgründen des Eurodance, neigte sich eine Feier, wie ich sie noch nicht erlebt hatte, dem Ende entgegen.

Und als ob all das noch nicht genug gewesen wäre, ging es in der Woche danach direkt weiter zum Dockville Festival in Hamburg. In der Review hatte ich ja bereits überschwänglich von diesem Wochenende geschwärmt. Doch was ich verschwieg war unser anschließender, dreitägiger Aufenthalt in der Hansestadt. Die liebe Lexi sollte gebührend verabschiedet werden, denn für sie war es der Startschuss für das Leben in ihrer neuen Heimat. Ich muss zugeben, dass ich mich direkt in Hamburg verliebt habe. Schlüsselmoment für diese Liebe war eine Begegnung der besonderen Art. Für uns hieß es „an den Landungsbrücken raus“, die Treppe nach unten und dann Begegnung mit einer äußerst netten Gruppe Menschen, die uns mit Pfeffi aus der Heimat willkommen hießen. Das kann eigentlich nur göttliche Fügung gewesen sein! Wir machten natürlich auch den typischen Touristen Kram mit – Hafenrundfahrt, Tretboot fahren auf der Alster, bummeln in der Innenstadt. Doch Highlight war der heftigste Absturz in zwei äußerst netten Bars, den ich je an einem Montag erlebt hatte.

[Bild Dockville]

edbert_wandKaum waren wir aus Hamburg zurück, sollte auch das endgültige Finale der diesjährigen Festival Saison stattfinden. Das Sonnendeck Festival in der Nürnberger Desi war schon immer gut für eine ordentliche Feier. Mit einer Kreuzung aus Nachtdigital und Fusion lädt es gerade so zum exzessiven Feiern ein. RSS Disco aus Hamburg spielten ein wahnsinniges Set (noch besser als zur Fusion oder auf dem Dockville!) und ich hatte so viel Konfetti über meinen ganzen Körper verteilt, wie nicht einmal zur Faschingszeit. Übrigens kämpfe ich nun schon seit Wochen damit, die Konfetti und Glitzer Spuren in meiner Wohnung zu beseitigen. Doch immer wieder tauchen Reste auf. Sie sind im Bett, im Bad, ja sogar ich frisch gewaschenen Klamotten… Den Rest des Samstags verbrachte ich, mit einem Rosa Flamingo bewaffnet, auf dem legendären 80er Floor.

 

Der folgende Tag war von Endzeit-Afterhour-Stimmung geprägt. Der Regen erwies sich als Deppenfilter und so war quasi nur noch die Feier-Elite Nürnbergs am Start. Wir trugen unsere I.C.♥.C. Shirts und hatten die Zeit unseres Lebens.
Unser lieber Loisl hat übrigens seine Verewigung an einer Wand des Desi Geländes bekommen.

Langsam aber sicher nähren wir uns dem heutigen Tag. Vorher hatte ich jedoch noch das große Vergnügen zusammen mit Isa Wolff bei Neurotanzmitter aufzulegen. Dieser Abend bleibt mir, besonders musikalisch, noch lange in positiver Erinnerung. Genau so, wie unser kleines Hamburg Revival kurz darauf. In (fast) vollständiger Besetzung hockten wir uns zusammen und tranken 43er mit Espresso bis uns schlecht wurde.

Wenn ich all das so lese, komme ich mir vor, wie der verwahrlosteste Mensch der Welt. Aber scheiß drauf! Man lebt schließlich nur einmal. Und wie ich spätestens in diesem Jahr gelernt habe, kann alles so schnell wie es kommt auch wieder vergehen. Was die Zukunft bringt ist offen. In der Vergangenheit leben ist jedoch auch keine Lösung. Also genieße ich das Hier und Jetzt, erinnere mich aber auch gerne an die schönen Stunden, die hinter mir liegen. Im Moment bin ich innerlich etwas unruhig. Alles ist in Bewegung. Neue Freundeskreise tun sich auf beginnen sich mit alten zu vermischen. Es herrscht Aufbruchsstimmung. Irgendwie will ich nur eines – hier weg! Nur wohin? Das wird sich noch früh genug herausstellen müssen. Bis dahin versuche ich wieder ein guter Student zu sein, meine Bachelor Arbeit zu schreiben und das Beste aus dem Rest des Jahres zu machen.

Und zu guter Letzt hier noch einmal die Playlist des Sommers mit dem Aufruf an Euch, die eigenen, ganz persönlichen Lieblingslieder der letzten Monate hinzuzufügen. Abonniert einfach die Liste auf Spotify und fügt euer Wunschlied hinzu!

Tobias: Von seinen Freunden liebevoll Hans genannt, lebt er im beschaulichen Nürnberg. Während er im wahren Leben auf seriös macht und irgendwann mal stinkreicher Ingenieur werden will, tobt er sich in seiner Freizeit gerne aus. Auch sein Musikgeschmack ist vielseitig. House und Techno sind seine Passion. Aber auch Gitarrenmusik von der Insel hat es ihm angetan. Dazwischen liegt irgendwo sein Hang für Synthi-Pop mit ganz viel Pathos. Ihr wollt ihm sagen, wie toll oder scheiße er ist? Dann schreibt einfach an tobias(at)soundbox-blog.de

3 Kommentare

  1. Zwei Sachen:
    1. Wer high lernt und high in die Prüfung geht knackt den Highscore!!!!
    2. Nix gibts – du bleibst schön hier! Weg gehen kommt nicht in Frage!

    • Das Pseudonym kommt mir bekannt vor ;)

      • mist – ich wurde enttarnt… schnell weg!!!!

Trackbacks/Pingbacks

  1. Was ist eigentlich los mit diesem Schlafmützen Blog? | Soundbox-Blog - […] wird euch bestimmt aufgefallen sein. Nach dem Summer of Love Artikel kam eigentlich nix mehr. An was lag das? …

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