Recondite – Iffy

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Unsere Wertung

7 Wertung

Bayern – Land der Berge, des Bieres, der Lederhosen und idyllischen Landschaften. Wenn man an die Gegend unterhalb des Weißwurstäquators denkt, dann fallen einem viele Klischees ein. In Sachen Techno oder Housemusik ist Bayern aber nicht gerade eine Institution. Nur wenige Künstler wagen den Sprung von Blasmusik zum Synthesizer. Einer davon ist Recondite, der in diesen Tagen sein mittlerweile drittes Studioalbum mit dem Titel „Iffy“ veröffentlicht.


Unter der Fahne des Innervisions Flaggschiffs veröffentlichte der Niederbayer anlässlich des Label Jubiläums bereits die Psy EP. LPs gehören aber bisher, abgesehen von einer Ausnahme, nicht gerade zu den Aushängeschildern der Berliner Klangschmiede rund um die Zugpferde Dixon und Âme. Es wird also höchste Zeit, den momentan so angesagten Trademark Sound das Labels um einen Langspieler zu erweitern.

Kaum ein anderer Künstler passt da besser ins Programm als der Meister der großen Melodien und düsteren Dancefloor Monster. Tiefe Emotionen wolle er hervorrufen, so das ambitionierte Ziel des Soundtüftlers.
Und so vergehen auf Iffy ganze 120 Sekunden, bevor die erste Bassdrum aus den Boxen rollt. Ganz im Stile von Innervisions lässt sich Recondite Zeit, den Zuhörer in den Techno Kosmos zu entführen, der ja normalerweise vom stoischen 4/4 Takt geprägt wird. Als verschwörerisch und geheimnisvoll kann man die Synthesizer-Melodien wohl beschreiben.
Dabei bewegt sich Recondite permanent auf den von Popmusik beeinflussten Pfaden mit hypnotischen Melodieverläufen. Bestes Beispiel dafür ist der Track Levo, der zu 100% ins Innervisions-Hit-Raster passt. Wäre noch Sommer, dann würden wohl hunderte Menschen wie in Trance zu diesem Stück tanzen. Trance ist ein gutes Stichwort, denn auch Tracks wie Konter versetzen das Hirn bei intensivem Hörgenuss in einen regelrechten Rauschzustand.

Ab und an gelingt Recondite auch der befreiende Ausbruch aus der Welt der 4/4 Beats. Gerade wenn die repetitiven Parts drohen ins Eintönige zu rutschen, brechen Tracks wie  Steady oder Jim Jams das Muster. Es wäre zwar übertrieben von Abwechslung zu sprechen aber für ein Album, das sich durchaus am Club orientiert, kann man Recondite einen gewissen Mut zum Anderssein zusprechen.

In Iffy stecken jede Menge gute Idee aber die wirklich richtig großen Momente lassen leider zu oft auf sich warten. Vieles klingt, als ob man es in den vergangen zwei Jahren so schon einmal irgendwo gehört hätte. Ein Großteil der Sounds ist wohl eher Recycling als Neuware. Das kann man natürlich auch andersherum sehen und Recondite auf die Fahne schreiben, dass er den Sound der Stunde prägt und nicht, wie viele andere, auf der Retro-Welle mit schwimmt.

Wer sich auf Iffy einlässt, der kann sich wunderschön darin verlieren. Auf lange Sicht bietet es aber zu wenig und die groß angekündigten emotionalen Momente verpuffen in Beliebigkeit – wie leider so oft bei elektronischer Musik.

Techno ist eben in erster Linie Musik für den Club und nicht fürs Wohnzimmer. Umso erstaunlicher ist es, dass mich Iffy besonders in seiner zweiten Hälfte überzeugt. Denn die klingt fast gar nicht nach Club, sondern lädt zum Träumen und Abtauchen in spacige Welten ein.

Wer die richtige Mischung zwischen Techno, Pop und der gewissen Note Kitsch sucht, der ist mit Iffy bestens bedient. Ich schließe jetzt meine Augen und verliere mich in der atemberaubenden Fläche von Glint.

Recondite_album_artwork

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