Victoria

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Ein Thriller ohne Schnitt in drei Akten.

Ja, ich bin Fan. Fan von Sebastian Schipper seit der ersten Stunde. Ich gehöre zu denen, die „Absolute Giganten“ schon 17 Mal gesehen haben und trotzdem immer wieder weinen müssen, wenn die Sonne aufgeht. Dank Sebastian Schipper habe ich The Notwist lieben gelernt und schon früh begriffen, dass immer Musik sein müsste. Damit es nicht unheimlich wird, fange ich jetzt nicht hier an, von seiner überragenden schauspielerischen Leistung (ja, das kann er auch!) in Filmen wie „Drei“ und „Ludwig II“ zu schreiben, sondern komme gleich zu „Victoria“.

Da ich schon ziemlich spät mit meiner kleinen Kritik bin – schließlich geistert der Film schon seit Monaten in den Medien rum – und eigentlich schon alles geschrieben wurde, reicht es wohl, die Eckdaten in Stichpunkten aufzuzählen: Film ohne Schnitt, nur 3 Nächte, Drehort: Mitte und Kreuzberg in Berlin, überragende Schauspieler und verdiente sechs Lolas.

Selbstverständlich hat auch mich diese atemberaubende Odyssee durch die Nacht absolut begeistert und mich an einem Freitagabend voller Ekstase durch die Nürnberger Innenstadt torkeln lassen. „Victoria“ ist einer dieser Filme, die es schaffen, die wahre Welt surreal wirken zu lassen, sobald der Abspann vorbei ist. Das schafft er durch die Nähe, die der Zuschauer zu den Charakteren aufbauen kann und den daraus resultierenden Sog, der einen mit in die schrecklichen Geschehnisse des zweiten Drittels ziehen.

Außerdem wäre „Victoria“ kein Schippers-Film, wenn nicht auch die Filmmusik wieder einmal überragend wäre. Ich träume immer noch von dieser einen, einzigartigen und wundervoll konstruierten Szene: Victoria, Sonne und die anderen kehren nach geglücktem Überfall zurück in den Kellerclub, in dem sie sich kennengelernt haben. Adrenalingeschwängert beginnen sie, sich zu „Burn with me“ von DJ Koze zu bewegen. Das Bild verschwimmt, ruhige Instrumentalmusik setzt ein, die Tänzer sind nur noch schemenhaft zu sehen. Ab dieser Szene, die die Töne von Nils Frahm so leicht wirken lassen, hofft man nur noch, dass der Film endet, dass die Peripetie erreicht ist und alle glücklich nach Hause gehen. Doch genau dieser Nebel behangene retardierende Moment bedeutet den Anfang vom Ende, den Beginn der absoluten Katastrophe.

Ich glaube, ich muss niemanden davon überzeugen, zwei Stunden mit Victoria durch Berlin zu wandeln. Wer nicht ins Kino geht, ist selbst schuld. Und während ihr noch überlegt, nochmal ein paar Artikel über „Victoria“ oder schon ins Kino lauft, stellen sich meine Häarchen ein weiteres Mal auf: Ich kann einfach nicht aufhören, das hier zu hören:

http://www.mojo4music.com/20483/listen-to-nils-frahm-victoria-film-score/

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