Say Yes Dog

Unsere Wertung

7 Wertung

Unsere Wertung

Alles ist aus Plastik

Monatlich spuckt die Hype-Maschine Internet das nächste große Ding in die musikdurstige Masse. Superlative erschlagen den Konsumenten von zeitgenössischer Popmusik. Wer kurz nicht aufpasst, hat das nächste große Ding verpasst. Alles ist irgendwie künstlich, fühlt sich falsch an und ist, nach etwas heißer Luft, meist ganz schnell schon wieder Schnee von gestern.

 

Say Yes Dog leben genau diesen Zeitgeist. Die Band ist jung, talentiert, Multi-Kulti und so natürlich noch nie da gewesen. Dass sich da in mir eine gewisse Skepsis breit macht, ist deshalb nicht gerade verwunderlich. Nachdem die Deutsch-Luxemburgische-Koproduktion im Jahr 2013 mit der ersten EP „A Friend“ ordentlich abgeliefert hatte, folgt nun, nach zwei Wartejahren, das Debüt Album „Plastic Love“.

Für all die, die es noch nicht mitbekommen haben: Say Yes Dog machen eingängigen Elektro-Pop und feuern eine Hook zum Mitsingen nach der anderen raus. Plastic Love ist aber eigentlich als Gegenpol konzipiert. Gegenpol zu den diversen seelenlosen und überproduzierten Laptop Bands unserer Zeit. Die allwissende Fachpresse ist sich einig und zieht die offensichtlichen Parallelen zu Bands wie Hot Chip und Metronomy. Solche Aussagen sind auch durchaus gerechtfertigt. Der trotz dünnem Elektro-Pop-Hitgewitter werden Say Yes Dog an keiner Stelle peinlich.

Doch irgendwas stört mich an der Klangästhetik von Plastic Love trotzdem. Versteht mich nicht falsche – die 12 Songs sind fast durchgehend Spitzenklasse! „A Friend“ kennen wir ja schon von der EP und seitdem hat das Stück nichts von seiner Zugkraft eingebüßt. Auch „Stronger“, die erste vorab Single, kann voll überzeugen. Das obere Ende der Catchiness-Skala erreicht jedoch „Girlfriend“ und bedient sich dabei noch ganz unverblümt und gekonnt beim 80er Gassenhauer Eisbär von Grauzone.

Bei all dem entsteht aber in meinem Ohr genau der Eindruck, den Say Yes Dog nicht erwecken wollen. Das Album klingt künstlich, plastisch und glattpoliert. Ihr behauptet, ihr spielt richtige Instrumente? Ihr wollt keinen Sound aus der Konserve, sondern richtige Synthesizer und live Drums, anstelle von Samples? Dann lasst es verdammt noch mal auch so klingen und bügelt nicht alle Kanten im Studio wieder raus, die euer Synthesizer mühevoll aus dem Frequenzbrei geschält hat! Quantisiert nicht euer Schlagzeug bis auf die letzte 32. Note, damit auch ja keine Clap neben der Spur ist! Man hört ganz deutlich eure Mühe für Authentizität. Und man hört auch die Arbeit von Ash Wortmann von Metronomy, der das Abmischen übernommen hat. Aber bei all dem Enthusiasmus kann man auch über das Ziel hinausschießen.

Plastic Love ist eine durchaus überzeugende Platte geworden. Doch sie hat genau die bunte Bonbon Glasur abbekommen, die sie doch so gerne verteufeln will. Am Ende spricht dann wohl der Song „Plastik“ stellvertretend für das gesamte Album. Ob live mehr von der Band-Soundästhetik rüber kommt, könnt ihr ab Oktober herausfinden.

07.10. DE – Berlin – Badehaus Szimpla
09.10. AT – Innsbruck – Kaunertal Opening
28.10. DE – Leipzig – Täubchenthal
29.10. DE – Mainz – Schon Schön
30.10. DE – Freiburg – Räng Teng Teng
31.10. CH – Basel – Lady Bar
06.11. LU – Esch – Kufa
08.11. DE – Hamburg – Uebel & Gefährlich
09.11. DE – Köln – Yuca
10.11. DE – Dortmund – Sissikingkong
11.11. DE – München – Milla
12.11. AT – Wien – Rhiz
16.11. DE – Stuttgart – Kellerklub
17.11. DE – Nürnberg – Club Stereo

Tickets ab jetzt im VVK.

SYD_Plastic_Love_Artwork_Album

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