YAST – My Dreams Did Finally Come True

Unsere Wertung

8 Wertung

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Man darf ja wohl noch träumen dürfen…

Der große Indie-Traum hat sich ausgeträumt. Indie ist tot! Diese Worte klingen hart aber leider kann beim Patienten Indie meist nur noch das Versagen der letzten Lebensfunktionen diagnostiziert werden. Mein Gitarrenmusik-Fan-Herz blutet schon seit längerem, wenn ich mich umhöre und feststelle, das sich die wirklich guten Indie Platten eines Jahres meist an einer Hand abzählen lassen.

Aber Totgeglaubte leben bekanntlich länger! Ab und an geht ein Zucken durch die Szene. Der leblose Indie-Kadaver versucht sich noch einmal aufzurappeln. YAST geben mit ihrem zweiten Album „My Dreams Did Finally Come True“ den Stromstoß zur Reanimation. Dabei greifen sie auf den einfachsten aller Tricks zurück: Sie bedienen sich bei der Romantik längst vergangener Zeiten und reiten auf der Retro-Welle.

Das klingt jetzt erst einmal sehr unspektakulär und ist es im Grunde auch. Nur stammen die Referenzen nicht aus den Indie-Hochzeiten, Mitte der 00er Jahre, sondern reichen bis in unser aller Lieblingsjahrzehnt zurück – die goldenen 80er. Wer jetzt erschrocken aufhorcht und fürchtet, dass hier nur plumpes Recycling betrieben wird, der kann gleich wieder beruhigt durchschnaufen. Die Schweden gehen behutsam mit ihren Referenzen um und transportieren ihren flauschigen Gitarrensound stilsicher ins neue Jahrtausend.

Mit jeder Menge Echo und Effektgewitter wird eine Gitarrenwand erbaut, die so weich ist, wie die Wände einer Gummizelle. Kanten zum daran reiben gibt es wenige. Dafür sehr viel Fläche zum Austoben und schmusen. Sogar ein Ausflug in die Muttersprache ist drin. Ich versteh zwar kein Wort, macht aber nix! Denn die Melodien sind allesamt eingängig, stehen im Raum und wabern wie riesige Wolken um den Kopf. Da liegt eindeutig eine mächtige Prise Pop-Appeal in der Luft!

Und das ist wohl auch schon das Geheimnis des betreuten Träumens. Bevor es zu kitschig wird, kommt eine konkrete Nummer um die Ecke. Dadurch bleibt My Dreams Did Finally Come True spannend. Die Einsatzgebiete der Platte gestalten sich vielseitig. Vom Peaktime Hit der besten Indie-Disco deiner Stadt bis zum Sonntagsspaziergang in der Herbstsonne werden alle Stimmungen abgedeckt.

Bleibt nur zu hoffen, dass diese Impulse das Sorgenkind Indie wieder zurück in die Spur bringen. Und wenn einem schon nichts Neues einfällt, dann kann man sich ruhig bei schon Dagewesenem bedienen. Macht man ja in der Pop- oder Clubmusik auch so.

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Live:
19.09. Nürnberg – Nürnberg.Pop Festival
10.11. Hamburg – Astra Stube
11.11. Luxemburg – De Gudde Wellen
12.11. Freiburg – The Great Räng Teng Teng
13.11. Köln – tba
14.11. Berlin – Rosis @ KarreraKlub

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