VIMES – Nights In Limbo

VIMES

Unsere Wertung

9 Wertung

Unsere Wertung

Gut Ding will Weile haben

Zugegeben, so ganz unbefangen kann ich diese Review nicht zu Papier bringen. Zu lange warte ich schon auf das Erscheinen von Nights in Limbo, dem Debütalbum der VIMES.

Fast sechs Jahre sind seit dem ersten Berührungspunkt mit dem sympathischen Kölner Duo ins Land gezogen. Damals füllte der frische Elektropop von Upstairs gekonnt die Lücke zwischen Popmusik und Techno. Darum war es auch nicht weiter verwunderlich, dass wir die beiden Jungs direkt zu einer unserer Soundbox Veranstaltungen eingeladen haben. Die Menschen, die an diesem Abend dabei waren, sind seitdem angefixt. Heute, viele Liveauftritte und Singles später, tummeln sich viele Künstler in der ehemals noch recht frischen Nische. Doch VIMES balancieren gekonnt auf dem schmalen Grat zwischen Kitsch und Pathos auf der einen und Kirmestechno auf der anderen Seite.

Das Album kommt dabei fast schon wie eine Werkschau daher. Viele Songs erschienen bereits in den vergangen Monaten oder sogar Jahren. Bei der Zusammenstellung dieser ersten Platte, die beinahe den Charakter eines Best-Of trägt, scheint die alles-beschreibende Zauberformel Eingängigkeit exponenziert mit Liebe zum Detail zu sein. Die Struktur der Stücke geht sowohl in die Tiefe, orientiert sich also am klassischen Song-Gerüst, verläuft sich jedoch im selben Maße in endlose elektronischen Flächen. Tuem, die neueste Single beispielsweise, ist ein rougher und dennoch enorm fluffiger Dancefloorschieber, den auch Ghostculture oder COMA nicht besser hinbekommen hätten.

Wem der Sinn eher nach Ohrwurm steht, wird diesen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in Mind finden. Radiostationen dieser Welt — nehmt euch in Acht! Der Sommer ist zwar noch in weiter Ferne, ich sehe aber bereits jetzt zahllose Festivalbesucher Seifenblasen in den Sonnenuntergang pusten.

Ein besonderes Schmankerl ist der Tuff City Kids Remix von Mind. Man nehme das berüchtigte Pop-Gen aus Köln und pflanze ihm die nötige Dosis Frankfurter Disco Sporen ein und fertig ist die Laube.

Bevor ich mich in Schwärmerei verliere, versuche ich lieber ein paar zusammenfassende Worte zu finden. Nights In Limbo läutet das musikalische Jahr für deutsche Popexporte mit Pauken und Trompeten ein. Oder anders gesagt: Es gibt gar keine Pauken und Trompeten. Dieser Mist dudelt schließlich schon genug in Form von Klangkarussell-Gedöns aus den Lautsprechern dieses Landes. VIMES jedoch sind anders. Sie liefern ein enorm vielseitiges Erstlingswerk ab, auf dem sie sich keinen einzigen Fehltritt leisten.

Andere Bands wären froh, wenn sie nach 20 Jahren Bandgeschichte und zahllosen Veröffentlichungen auch nur annähernd so viele Hits auf dem Konto hätten, wie VIMES nach nur einem Langspieler.

Wenn man am Ball bleibt und einen langen Atem hat, wird eben am Ende doch noch alles gut!

nightsinlimbo

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