Stabile Elite – Spumante

Stabil Elite; Schmela Haus; Jan Thierhoff, © Jan Thierhoff, Timo Hein; Lukas Heerich; Nikolai Szymanski; Lucas Croon; Martin Sonnensberger
Stabil Elite; Schmela Haus; Jan Thierhoff, © Jan Thierhoff, Timo Hein; Lukas Heerich; Nikolai Szymanski; Lucas Croon; Martin Sonnensberger

Unsere Wertung

8 Wertung

Unsere Wertung

Da war’n die Berge und da war das Meer, da war das Land. Am Ende war’s das wert. Was sind schon tausend Tage für einen vollen Zug, alles wird gut.“ (Stabil Elite, „Alles wird gut“)

Zugegeben, einfach nur hingeschrieben unterscheiden sich diese Zeilen gar nicht so sehr von der triefenden Erbauungs-Lyrik deutscher Radio-Popmusik, wie sie von der Charts-Strategen an der Mannheimer Popakademie wahrscheinlich am Fließband ausgeheckt wird. Hauptsache eine Prise Fernweh, der deutsche Alltag ist schon schwer genug. Und dabei, so von der Haltung her, immer schön easy und positiv bleiben. Ein Lied, verpackt als ein aufgesetztes freundliches Lächeln, damit sich keiner stört und man es in den besten Feierabend-Mix sämtlicher privater Radiostationen in Thüringen schafft.

Dass bei „Alles wird gut“ von Stabil Elite zum Glück etwas ganz anderes anliegt, hört man indes sehr schnell. Die Synthesizer machen gleich am Anfang diese wunderbare Geräuschkulisse einer Meeresbrandung nach, ehe ein gleißender, sehnender Popsong beginnt, der sich aus allem speist, was die immer noch junge Düsseldorfer Band so an Einflüssen aufzubieten hat: Kraut, Kraftwerk, den Synthie-Pop der 80er, die Leiden des New Romanticism.

Als der Autor den Song das erste Mal hörte, es war bei einem kostenlosen (!) Festival der Stadt München, auf dem Stabil Elite ihr zweites Album „Spumante“ im März vorstellten, war er gleich dermaßen verliebt, so unvorbereitet traf ihn dieses Stück (es sollte an dem Abend nicht das einzige bleiben). Dass dann auch noch Bibiana Beglau, so ziemlich die unwiderstehlichste Theaterschauspielerin, die das Land zu bieten hat, in dem Musikvideo allein im schwaren Mantel und mit Sonnenbrille an der Athener Akropolis und einem griechischen Strand entlangstreift, bis es tiefe Nacht wird, macht die Illusion perfekt. Und mein Glück. Alles ist gut.

So abgedroschen darf man das ruhig mal formulieren, wenn man nach 3:21 Minuten den deutschen Popsong des Jahres gehört hat, was er natürlich nicht sein kann, nicht sein darf, weil der Popsong des Jahres derzeit nicht bei vierstelligen Abrufzahlen bei Youtube herumdümpeln würde (sondern bei mindestens ein paar Millionen Klicks, so wie die baugleichen Videos, die Kim Frank, der Typ von Echt, für alle die Deutschpop-Trottel aus dem Radio dreht) – so wie eben das kurzfilmhafte Doppel-Musikvideo zu „Alles wird gut“ und „Spumante“. Geschmack lässt sich eben nicht zählen.

„Spumante“, der albumtitelgebende Song, spielt souverän-beflissen mit 80er-Zitaten – einem perlenden Klavier, einem softrockigen Gitarrenriff und diesem bestimmten, durch absolute Rückenkrümmung erzeugten Saxofon-Klang, bei dem man sofort an die Themes aus alten amerikanischen Vorabendserien denken muss. Trotzdem hat man beim Anhören des Albums zu keiner Zeit das Gefühl, dass Stabil Elite sich da einfach nur hipsterhaft einen historisch-geographischen Sound angeeignet haben.

Viel mehr noch als auf ihrem ersten Album „Douze Pouze“ spielt die Band mit ihrem Pop-Wissen, klingt nach in manchen kristallklaren Instrumentalspuren nach Harmonia und dann wieder, herrlich cheesy, nach Kalifornien – Deutsch Amerikanische Freundschaft, da war doch mal was. Vor allem hat sie noch ein paar Pop-Songs geschrieben, „Tief im Westen“, „Steppe“ oder „<3“, bei denen man beim Hören gar nicht auf die Idee kommt, irgendwelche Vorbilder oder Referenzen bemühen zu müssen. Man hört Stabil Elite, also die Band selbst, so wie man sie auf dem Cover sieht: Typen, die natürlich etwas dandyhaft im Düsseldorfer Schmela-Haus – Joseph Beuys, verstehste – unter einem rosa Neon-Schild herumstehen. Wem schon dieser Anblick zu viel ist, kann man ja auch irgendwie verstehen, so schnell wie man selber die Welt aussortiert, dem ist vielleicht mit dem besten Feierabend-Mix mehr geholfen.

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