Glastonbury 2011 – The Mud. The Sun. The Feeling.

Da war es also wieder soweit, nach dem ersten Besuch des Glastonbury Festivals im letzten Jahr beim 40-jährigem Jubiläum, ging es dieses Jahr am Dienstag, den 21. Juni los.

Wir waren sieben Leute und haben außer zwei Ausnahmen alle unsere Tickets im April-Resale erkämpft. Drei Leute starteten Mittwoch Früh in Bristol, ich in Brigthon. Donnerstag dann noch eine Person in Bristol und zwei aus London.

Dienstag, 21. Juni

Nach entspannten Flug nach London-Gatwick sowie 30 minütiger Zugreise nach Brigthon checkte ich in meiner Unterkunft für eine Nacht ein. Nach längerem Sightseeing sowie längerem Chillen am Pier ging es dann gegen 22.00 Uhr ins weiche Bett. Schließlich werden die folgenden Tage anstrengend genug und ich wollte doch sehr ausgeschlafen anreisen.

Mittwoch, 22. Juni

Mein Seetickets-Coach fuhr um 7.30 Uhr ab und gegen 11.30 fanden wir uns dann im Stau kurz vorm Gelände. Der Stau zog sich dann läppische 1 ½ Stunden hin und als wir am Busparkplatz ankamen, traf mich erstmal der Schlag, wie unfassbar lang die Warteschlange für die Einlassbändchen war. Naja erstmal Turnschuh gegen Gummistiefel wechseln. Es regnete zwar ab meiner Ankunft bis Donnerstag früh nicht mehr, allerdings hats die Tage so kräftig runter geschüttet, dass der Boden relativ aufgeweicht war und durch die abertausende Füße alles ein wenig gatschig wurde.

Ich fädelte mich also am Ende der Schlange an und war überrascht wie es doch zügig voran ging und sich keiner vorgedrängelt bzw gepöbelt hat. Hierzulande unvorstellbar.

Nach knapp zwei Stunden hatte ich mein Bändchen und ich machte mich auf den Weg zur gleichen Campingplatzstelle, die wir schon 2010 in unserem Besitz hatten, was mir der Koni am Telefon erzählt hat. Nach anstrengendem Marsch kam ich also am Campingplatz Michael Meads an und es war tatsächlich genau diegleiche Stelle wie im letzten Jahr.

Dann machten wir uns erstmal auf und tingelten ein wenig durchs Gelände um dann dort Campingstühle zu kaufen. Anschließend machten wir kehrt ein zur West Holt Stage zur legendären Brothers Cider Bar und genießten den ersten Cider des Festivals. Es folgten dann noch 3 weitere, da wir vier Leute waren, somit vier Runden und was für ein Zufall auch vier verschiedene Gechmacksrichtungen. Zu dieser Zeit hatte wir so gut wie noch nichts im Magen, was ich sich im Nachhinein als sehr schlecht herausstellte, da es dann übelst Magenkrämpfe gab, aber nach kurzem Rast an ner Fressbude war auch das wieder bekämpft.

Auf jeden Fall haben die Pints ordentlich geknallt, haben alle 6% sowie einer sogar 7% Alkohol. War sehr fein.

Abschließend waren wir dann noch am legendären Stone Circle und ließen die Nacht mit Handgetrommel, tausenden Fackeln, Light Ballons sowie unzählige Drogenanfragen ausklingen. Schöner erster Tag.

Donnerstag, 23. Juni

Am nächsten Morgen weckte mich sanft ein hartes Prasseln auf meinem Quechua und dies hielt dann auch die nächsten zwei Stunden an. So gegen 9 Uhr hörte es dann auf und ich kroch ausm Zelt. Ab da an blieb es den ganzen Tag trocken, also nicht dem Spiegel, der Blöd bzw BBC glauben, des Wetter war echt in Ordnung.

Vormittags verbrachten wir weitestgehend die Zeit unsere drei Nachzügler aufzusammeln bzw. abzuholen. Dann gings wieder quer übers Gelände über die Brothers Cider bar hin zur einstöckigen Ciderbar im Avalon Field. Anschließend auf die komplett andere Seite zu Flagtopia, da der Anblick des riesen Geländes von dort aus besonders bewegend ist. So bewegend, dass manche fast schon Tränen in den Augen hatten.

Koni und ich machten uns dann zwischenzeitlich auf den Weg in die Stonebridge Bar im Park nach unten und holten ne Runde Cider. Generell ciderten wir relativ viel zwischendrin, aber da ich weitestgehend sämtliche Uhrzeiten sowie Aktivitäten vergaß, kann ich des net alles hier mit reinpacken.

Für die Nacht haben wir uns fürs Nightlife-Area entschieden. Sprich Shangri-La, Arcadia, The Common, Block 9 etc. Dieses Jahr wurde es so geregelt, dass man in jedes Areal nur über einen gemeinsamen Eingang reinkam. Dort las man dann auf den Weg dorthin Schilder wie „von hier aus nur noch 120 min anstehen“. Wir sind zum Glück ohne Warteschlangen durchgekommen. Aber Donnerstag war halt dann noch net allzu viel los, wie es an den drei folgenden Tagen der Fall sein wird. Zu unserer Schande, waren wir aber nur des eine Mal dort, weil uns des echt zu blöd wär, zwei Stunden in ner Schlange zu stehen. Aber es würde sich auf jeden Fall lohnen, was da drin alles so abgeht. Purer Wahnsinn. Es würde jetzt zuviel Zeit kosten, jedes Areal zu beschreiben. Wer Interesse hat, einfach auf der offiziellen Glastonbury Seite bisschen durchstöbern, da wird jedes Areal beschrieben.

Wir fanden uns dann in Shangri-La ein und hörten die letzten 2-3 Lieder von irgendner Elektropop Band. Nebenbei haben wir dann noch irgendeinen Vodka-Limes Wackelpudding geschlabbert. Sehr speziell.^^

Irgendwann zur späten Uhrzeit fanden wir uns dann wieder im Camp wieder und schon war auch der zweite „Warm-Up“-Tag vorüber. Man bräuchte eigentlich noch minimum zwei weitere Tage um das Gelände anständig zu durchforsten.

Freitag, 24. Juni

Erstmal zum Wetter. Freitag nieselte es den ganzen Tag über mal weniger mal mehr und es war ziemlich windig, Aber von richtigem Regen konnte man nicht sprechen. Nach U2 blieb es dann auch komplett trocken.

Aber jetzt Bands und so. Erste Band am Tag um kurz nach 12 Uhr waren Metronomy. Sehr geile Band, hammermäßiger Auftritt und schon sehr viele Menschen vor der Pyramid Stage. Stimmungstechnisch noch nicht oberes Niveau, aber hallo? Um diese Uhrzeit verständlich. Bei She Wants, The Look, A Thing For Me gings dann aber doch schon recht nett her. Perfekter Einstieg.

Weiter gings mit einer meiner absoluten Lieblingsbands seit einiger Zeit: The Naked And Famous auf der Other Stage! War ja bei Rock im Park rein publikumtechnisch noch nicht so der Überhit, dieses Mal schon deutlich besser, aber auch dort noch Luft nach oben. Würden wohl deutlich besser auf ner kleinen Bühne/Club kommen. Aber textsicher wenigstens kann ma sich auf die Textsicherheit der Engländer verlassen. Bei den Hits Young Blood, Punching in a Dream und Girls Like You wurden dann die Gummistiefel auch zwischenzeitlich als Tanzschuhe benutzt.

The Vaccines standen als nächster Zeit ebenfalls auf der Other Stage an. In der Umbaupause noch ein tolles Festivalshirt für 14 Pfund gekauft, können sich unsere Festivals mal ein Beispiel am Preis nehmen. Jetzt aber zu den Vaccines. Spitzenauftritt mit fast durchgehend tanzbaren Sound. Wreckin Bar, If You Wanna und Norgaard waren schon ordentliche Alarmsongs. Zum Glück laufen die mir in diesem Sommer wohl noch 1-2 Mal übern Weg.

So, aber jetzt. The Wombats! Auf die hab ich mich im Vorfeld tierisch gefreut, da es schon bei ihrem letzten Glastonburyauftritt hammermäßig abging und das Publikum übertraf meine Erwartungen sogar um einiges. Die Band war auch sichtlich angetan, lobte wie viele andere Bands das Publikum bzw das Festival allgemein als bestes der Welt und bedankten sich mit ihren durchweg tanzbaren Indiepoprock-Sound ihrer beiden Alben. Persönliches Highlight: Lets Dance To Joy Divison sowie Tokyo. Auch übers ganze Wochende wohl einer der besten Auftritte. Schlecht war eh kein einziger. Nicht mal annähernd. Aber sie hebten sich durchaus wie noch weitere Bands ab. Zurzeit leider noch keine vernünftigen Videos online.

Zurück auf die Pyramid Stage, wo ich dann noch die letzten zwei Songs von B.B. King mibekommen hab um dort dann im Wellenbrecher dann Biffy Clyro, Morrissey sowie U2 abfeiern werde. Also zunächst zu Biffy. Bombenauftritt mit lautkräftiger Unterstützung vorallem bei Mountains, Many Of Horror sowie Bubbles. Persönliches Highlight war allerdings endlich mal 57 live mitzurerleben. Wunderschön! Vor uns tat sich auch ein kleiner Mosphit/Circle Pit auf, aber als langjähriger Festivalgänger war es eher lächerlich, aber die Engländer sind da anscheinend nicht sehr gewohnt dran.

Nächstes Megaauftritt folgte zugleich mit Morrissey. Im Q-Magazine Review stand drin, er wurde nur gebucht, da Kanye West keine Zeit hatte, ich war froh drüber auch ihn endlich mal live mitzuerleben. Mit einer Setlist mit allen seiner bekannten Hits, ein paar neuen Stücken sowie einiger Smiths Klassiker war es ein durchaus gelungene Mischung. Er pöbelte dann noch kurz ein bisschen gegen die Politik und verabschiedete sich dann mit Irish Blood, English Heart sowie einem der Smiths-Songs schlechthin This Charming Man. Bei den youtube Videos kommt es zwar net so rüber, aber es war durchaus eine sehr schöne Stimmung im Publikum. Wobei zu der Zeit des Wetter echt nicht sehr fein war. Ich hätt mich noch sehr über Suedehead oder The More You Ignore Me The Closer I Get gefreut, aber man kann ja nicht alles haben.

Erster Headliner stand an und mit U2 wohl einer der erfolgreichste Bands aller Zeiten. Stimmung war megageil und das trotz sehr starkem Wind bzw leichtem Regen. Man muss dazusagen, dass bei uns im Wellenbrecher größtenteils älteres Publikum stand und somit ists net verwunderlich, dass bei den youtube videos nicht die ganze Masse auf und ab hüpft. Aber es war einfach so mega mit den ganzen Singalongs. Bono sagte auch am Anfang, dass sie sehr aufgeregt und geflasht sind von der Atmosphäre, Fahnen, Gelände etc und man merkte es ihnen anfangs auch deutlich an. Erst mit One kam dann auch richtig Performance rein. Das von einer Band, die es gewohnt ist vor zehntausenden von Leuten zu spielen. Und dann gings auch Hit auf Hit. Zwischendrin noch ein angespieltes Cover von Beyonce sowie Coldplays Yellow. Man hörte im Nachhinein unter anderem auch, dass sie sagten, es sei der Gig ihres Lebens gewesen. Ich fands auf jeden Fall auch deutlich besser als bei ihrem 360 Grad Konzert in München. Und des ist halt einfach schöne Musik. So einfach es klingen mag. Da kann Metallica, Kiss, Hosen oder was sonst ein großer Head hierzulande ist, einfach einpacken. Beautiful Day, One, Walk On, Pride…ich könnt mindestens noch 10 Songs aufzählen, und die kennt auch jeder und funktionieren grad an so nem Ort wie Glastonbury.

An dieser Stelle auch noch gleich die Feststellung, dass ALLE Pyramidheadliner, die ich bisher gesehn hab, waren zufälligerweise auch alle sechs der beiden letzten Jahre, mit Abstand besser waren als jeglicher Headlinerauftritt, den ich hierzulande bzw in den Nachbarländer gesehn hab. Und das waren doch schon einige. Dieses Gefühl macht auch kein youtube her, man muss es einach erlebt haben.

Nach dem Konzert trafen wir uns dann an einem bestimmten Lock Up, welches auch der Treffpunkt für den Rest des Wochenendes wurde, mit den anderen Leuten. Die eine Hälfte entschied sich fürs Zelt, Koni, Andrea und ich entschieden uns noch für ein bisschen feiern und und wir einigten uns nach vorigem Besuch der Brothers Bar für Rabbit Hole im Park. Dort wars dann megageil. Koni hat sich irgendein Maracuja-mit-viel-Alkohol-drin-Getränk von der Barkeeperin anschwatzen lassen und somit war auch für die alkoholische Untermalung gesorgt. Musikalisch war es eine Comedy-sehr-tanzbar Band. Der Sänger war auch schon übelst steif. Aber sie haben auch je einen Song der Pyramidheadliner gecovert. Auch ein unvergessliches Erlebnis und vorallem wars da schön warm drin.

Irgendwann sind wir dann noch zum leuchtenden Glastonbury-Schriftzug gewandert und haben paar ganz nette Fotos zu Stande gebracht. Abschließend für diesen wunderbaren Freitag chillten wir im Park noch in so nem kleinen Häuschen/Standmuschel was auch immer und machten uns dann auf den gut 25 minütigen Heimweg zum Camp auf.

Samstag, 25. Juni

Ab Samstags Früh bis zum Rest des Festivals nur noch purer Sonnenschein und ich hab schon am Donnerstag damit geprahlt, dass ich ab Samstag Turnschuh anzieh werd. Hat zwar dann noch net klappt, aber mit viel gucken häts wohl auch am Samstag scho funktioniert, aber mit Alkohol weiß ma eben nie. Naja dann halt nochmal den ganzen Tag in Gummistiefel.

Gaslight Anthem war die erste Band gegen 14 Uhr. Solider Auftritt, hab ich aber auch schon besser gesehen bzw die Band war eigentlich sehr gut gelaunt, aber Publikum wollt noch net so richtig mitziehen. Aber war auch mal nett, die Sachen von American Slang live zu hören, ich sah die Band nur 2 mal vor dieser Veröffentlichung. Man muss fairer Weise sagen, dass generell bei Bands aus UK die Stimmung automatisch besser ist, als bei internationalen Gästen, hab ich zumindestens festgestellt. Durchgemischte Setlist wie eh und je und mit Backseat wars dann auch schon wieder vorbei.

Danach wollt ich eigentlich zu Jessie J, aber da die Shopping Tour mit Essen und dem Kauf eines wunderschönen Blumenhaarbands mehr Zeit als gedacht in Anspruch genommen hat, ging es dann gleich direkt zu Patrick Wolf ins West Dance Zelt. Vorher hab ich noch zwei Songs von Rumer mitgenommen, die hat mich aber net so überzeugt, obwohl mir die Sachen, die ich mir zuvor angehört haben, recht zugesagt haben.

Der Herr Wolf betrat die Bühne in einem prall gefüllten Zelt und spielten allgemein relativ viel von seinem erst kürzlich erschienen Album. Somit war die Stimmung auch nicht hammer, aber annehmbar. Bei Magic Position und The City hat man aber dann doch gemerkt, was möglich ist. Ein Stück hat er auch einfach im Bad der Menge gesungen. Starker Typ, wir sehen uns am Melt!

Danach machte ich mich wieder auf den Weg zur Pyramid für den Rest des Tages.

Dort betrat kurz vor meiner Ankunft Tinie Tempah die Bühne, um den ja vorallem in England ein Riesenhype ausgeht. Hab ich auch gleich gemerkt, da die Bühne so bummvoll war, da war kein Durchkommen mehr möglich. Hab dann noch nen recht annehmbaren Platz seitlich gefunden und genoss den Wahnsinn. Hammerstarker Auftritt und Publikum ging sowas von krass ab. Solche Auftritt mit so einer Musik ist halt auch wieder nur am Glastonbury möglich. Hab mich ja auch bei ihm im Vorfeld ein wenig reingehört und so für zwischendrin ists doch ganz fett. So ein schönes Beatsteaks Hinsetzen war auch mit am Start und ein starkes Medley aus Dynamite und Like A G6. Den wird man bestimmt auch in Zukunft das ein oder andere mal im Billing des Glastonburys finden, manchen munkeln ihn sogar als eine Head der Zukunft.

Nach Ende des Auftritts wollt ich unbedingt in Wellenbrecher rein, aber das stellte sich als langwidriges Unterfangen da. Ein guter Schwung wollte raus, der andere Teil rein und da er zu beiden Seiten ohne Secs offen ist, hat sichs halt an den Engstellen ziemlich gestaut. Da stand ich halt dann mal 10 Minuten am gleichen Platz und nichts ging vorwärts. Hierzulande wieder unvorstellbar, aber es hat keiner gepöbelt oder geschoben. Und ohne Eingreifen der Secs gings dann auf einmal wieder weiter. Hab mir dann wieder nen schönen Platz mittig gesichert und mit Paolo Nutini stand nun ein Künstler an, den ich schon seit langer Zeit live sehn wollte, aber es sich nie ausging, nun war es also so weit.

Los gings gleich mal mit einem seiner größten Hits Jenny Dont Be Hasty und spätestens mit 10/10 ging des Publikum steil soweit es möglich war. Macht ja nicht nur tanzbare Stücke und passte einfach mehr als perfekt zum Wetter. Publikum war auf jeden Fall übern kompletten Auftritt hin voll dabei, die Band super drauf, er auch. War gar nicht mal so stoned wie angenommen. Sehr tolles Cover von Over and Over (Hot Chip) dabei, sowei mittlerweile das zum festen Bestandteil gewordene Time To Pretend von MGMT wie immer mit eigenem Style. Sehr gefreut hätte ich mich noch über das Common Truth Cover, aber da reichte dann die Zeit nicht mehr. Auch einer der eindeutigen Highlights des Wochenendes.

Der nächste Auftritt hat mich mehr als positiv überrascht, von dem ich mir nicht allzu viel erwartet habe. Zuvor auch wieder typisch Glastonbury: In den Umbaupausen kommt ja gewöhnlicherweise Musik und beim Glasto denkt ma halt a bisserl mit, da kommen dann Klassiker wie Hey Dude oder Champagne Supernove. Einfach so krass geil, wenn da alle textsicher mitsingen. Dann aber Elbow und was die abgezogen haben, war einfach aller erste Sahne.

Lag wohl auch hauptsächlicher an der alten Bühnesau Guy Garvey. Total sympathischer Kerl. Kam mit schlammbedeckter Hose bis zu den Knie auf die Bühne, immer wieder das Publikum aufgefordert, Hände hoch, runter, links recht, singen, springen. Hammer, solangs funktioniert! Dann gabs noch ein lautstarkes Happy Birthday Elbow, da sie diesen Monat 20 jähriges Bandjubiläum feierten. Krönung wurde dann noch von ihm selbst aufgesetzt, als er an seinem Bierbecher kurz nippte und das Publikum ihn dann lauthals aufforderte den Becher zu exen. Hat er dann auch gemacht! Guter Mann!! Mir tut die Band eig jetzt scho leid am Frequency, da wird die Stimmung wohl in keinster Weise hinkommen. Anschauen werd ich sie mir nach diesem Ding auf jeden Fall. Grounds Of Divorce und One Day Like This purer Wahnsinn. Bei zweiteres wären auch beinahe die Tränen gekommen, war ganz ganz knapp. Aber mit dem folgendem Auftritt kamen die Tränen und wie sie kamen.

Die Rede ist von Coldplay. Der Parkauftritt war ja schon krass und hätt mich auch beinahe zu Tränen gerührt, dieses Mal wusst ich im Vorfeld schon, dass es soweit wär. Setlist war ein wenig verändert zum Parkauftritt, aber die Stimmung! Die Stimmung war so heftig. Anfang wurde gemacht mit Hurts Like Heaven, einem der neuen Tracks (wie ich mich scho auf des Album freue) gefolgt gleich vom ersten Knaller Yellow, was auch schon die ersten Tränen mit sich brachte, allerdings gut versteckt unter der Sternensonnenbrille. Die Band war auch sehr sehr angetan vom Publikum und Chris Martin hat sich dann zusammen mit seinem Kollegen Will Champion bei einem neuen Songs schön verspielt. Und dann wars schon wieder soweit, mit Scientists kamen die nächsten Tränen und gegen Ende des Konzert mit der Wahnsinnversion von Fix You (Intro What A Wonderful World mit eigenem Text) sowie dem neuen Knaller Every Teardrop is a Waterfall gabs dann nochmal ordentlich Tränen. Wahnsinnskonzert! Mit den Worten „Enjoy Beyonce“ verabschiedeten sie sich von der Bühne, auf der jede Band gerne mal stehn möchte.

Wir üblichen drei Verdächtigten Koni, Andrea und ich machten uns wieder auf den Weg ins Nachtleben und suchten wieder Inspiration bei der Brothers Bar. Und wie schon am Freitag war wieder diegleich CD im Player der Bar auf voller Lautstärke. War aber gar nicht schlimm. Durchweg gute Musik unter anderem einen der Songs des Festivals Five mit Keep On Movin. Wir entschieden uns dann für den wiederholten Besuch aufm Stone Circle. Auf den Weg dorthin hörten wir im Theater/Kabarett-Field schon sehr gute Musik dröhnen, aber wir beachteten es nicht weiter. Uns kamen dann 5-6 Securitys entgegen und sagten, der Weg sei überfüllt, wir sollten ander zum Stone Circle gehen. Da hatten wir dann auch keine Lust drauf und wir entschieden uns zum Theaterfield der guten Musik folgen. Wir fanden dann eine kleine Bühne mit dem Namen „Sensation“ vor. Davor ausgelassenes Tanzen und Springen auf der Bühne zwei verstörte Typen, einer von ihnen im roten Powerranger Kostüm, der andere hinter DJ-Pult und in der Mitte ein Drehrad mit unterschiedlichen Symbolen drauf. Wie wir feststellten stand jedes Symbol für eine Musikrichtung und alle 4-5 Songs durfte einer ausm Publikum auf die Bühne und drehen. Sehr gute Idee. Ja und da gings dann steil ab, von 60er, über 80er, 90er, Techno, Hip Hop, Kommerzhouse, hauptsache abgeh und feiertauglich. Während dem Set noch schön Ciders genossen. Die haben dann noch so Luftballons in die Menge geschmissen, an denen ein Gummi befestigt war und paar Rasselsteine innen drinne, da konnt ma immer schön Flummi mitspielen. Auch Wahnsinnereignis, sowas fehlt einfach hierzulande total. Abgeschlossen wurde das Set mit zwei Wahnsinns-Dubstep Nummern. Da hat ma scho gemerkt, dass da ziemlich im Kommen ist bzw es den Engländer sehr zusagt. So gegen halb fünf durften wir dann wieder bei den Zelten angekommen sein. Und man merkte schon, es neigt sich dem Ende zu.

Sonntag, 26. Juni

Letzte Festivaltag hat begonnen und heute war es soweit, Koni und ich packten während des Tages unsere Turnschuhe aus und brauchten die Gummistiefel zum Glück auch nicht mehr. Es war noch heißer wie am Samstag und wir machten uns mit Campingstuhl und Regen/Sonnenschirm auf den Weg zu Don McLean. Auch von ihm hab ich mir net viel erwartet, wenn ma mal American Pie auslässt, aber auch dieses Mal wurde ich deutlich vom Gegenteil überzeugt. Spielfreude pur und sehr efrischend und passend zum Wetter. Am Anfang ein schönes Buddy Holly Medley zwischen drin noch das durchaus bekannte Vincent und als Abschluss einen der besten Songs aller Zeiten mit American Pie in der extra über 13-minütigen Version. Stark.

Weiter gings mit einem von Konis Lieblingen der Laura Marling. Letztes Jahr noch auf der Park Stage, dieses Jahr am Nachmittag auf der Pyramid Stage. War gut, hab dann aber auch nen Runde Cider geholt und des hat schon auch seine Zeit gedauert, bis ich durch die Menschenmassen durch war. Somit hab ich da nicht soviel mitbekommen. Aber des Publikum war schwer begeistert.

Als nächster Act stand auch jemand ganz besonderes an, was man auch daran merkte, dass die Pyramid steht sich langsam aber sicher wieder rappelvoll füllt. Paul Simon gab sich die Ehre, zu meinem Bedauern leider kein einziges Simon & Garfunkel Lied, aber wenigstens You Can Call Me Al als Abschluss und auch ansonsten hat er einfach perfekt mit seinem leicht afrikanischen Sound in diese Hippiewelt reingepasst. Auch ein unvergesslicher Auftritt.

Danach stand mit Koni mein erstes West Holt Stage Konzert mit Go! Team an. Nebenbei noch schön nen Brothers Cider genossen und ein wahnsinnslautes Konzert. Hat mir sehr gut gefallen und die Sängerin hat des Publikum auch immer kräftig eingeheizt. Wobei die wohl auch besser im kleinen Rahmen aufgehoben wären.

Für mich gings dann zurück auf die Pyramid Stage zu Pendulum und man merkte, dass die Engänder auf sowas stehen. Des Pyramid Field war wieder ordentlich gefüllt und ich sicherte mir einen guten Platz am unteren Ende des Hügels, da ich mim Koni ausgemacht hab, Beyonce vom Hügel aus zu genießen. Ausrastender Auftritt der Band und vom Publikum, allerdings kam mir der Auftritt mehr als kurz vor und sie haben viel zu viel vom neuen Album gespielt. Schade, da wär ein wenig mehr drin gewesen. Stimmung war auch grandios.

Aber jetzt, jetzt kam das Highlight des kompletten Festivals. Beyonce!

Im Vorfeld war ich auch ein wenig kritisch, was die Menge vor der Bühne betraf, aber auch hier war ich überrascht wie knack voll es dann doch war. Im Nachhinein sagte man, es waren mehr Leute als bei U2. Und bei U2 sprach man mal von sovielen Leuten wie noch nie an der Pyramid Stage. Es ging schon mal gewaltig los mit Cracy Love und Unmengen von Feuerwerken gefolgt von Single Ladies und Naugty Girl. Man kann halt überall mitsingen und rein Showtechnisch wurde allerhand geboten. Dann kam Tricky für Baby Boy mit auf die Bühe. Immer wieder Songs vom neuen Album miteingebaut, was bald erscheinen soll sowie bei Sweet Dreams ein wenig Eurythmics. Ein Prince Cover sowie eine selten geile Sex On Fire Fassung. Starke Frau! Und fürs Auge wars auch sehr, sehr toll! Dann gabs ein tolles Irreplaceable gefolgt von einem überragendem Destinys Child Medley, aber leider ohne Kelly und Michelle. Mit Run The World gings nochmal steil bevor es bei Halo bei mir erneut nach Coldplay ordentlich Tränen gab! Aber des war einfach so unfassbar wunderschön! Mehr als würdiger Head und hat jetzt mindestens einen Fan mehr an Bord!

Zum Abschluss gabs dann nochmal ne Runde Cider bei der Brothers Bar sowie gemeinsame Reise zum Stone Circle! Zurück bin ich dann allein gegangen, als Abschluss!

Montag, 27. Juni & Dienstag, 28. Juni

Ja was gibt’s noch groß zusagen. Glastoabreise ist wie immer mehr als scheiße und eins ist sicher: 2013 wird wieder alles versucht für ein 3. Mal Glastonbury Festival und den wohl unvergesslichsten Tagen im bisherigen Leben!

Nach vier Stunden Busfahrt war ich wieder in Brighton, checkte wieder ein und das Beste war erstmal die erste Dusche nach einer Woche! Haare haben wir ja immer schon am Campingplatz mit Shampoo gewaschen, aber ne Dusche ist halt doch nochmal was anderes. Danach noch ordenltich Fish & Chips und dann ab ins Bett.

Am nächsten Morgen gings mim Zug wieder ab zum Gatwick Airport und mit 3 Stunden Verspätung kam ich dann um 20.15 Uhr in München an.

So was gibt’s sonst noch zu sagen. Ich geh nicht mehr auf alle Punkte ein, da ich einiges schon im letztjährigen Bericht hier: http://festivalisten.de/12205-planet-glastonbury-40th-anniversary/ erzählt hab u.a. Wellenbrechersituation, Duschen etc.

Es bleibt einfach ein Ereignis, was man schwer in Worten fassen kann und für alle, die noch nicht da waren, unbeschreiblich sind. Es ist einfach alles soviel anders wie auf anderen Festivals und zwar weltweit. Es gibt einfach nichts nur im Ansatz vergleichbares.

Es bleibt halt in den Wurzeln einfach ein Hippie-Festival. Es fängt schon damit ein, dass im Prinzip alles erlaubt ist und man alles zu den Bühnen mitnehmen kann. Es ist einfach unglaublich befreiend. Wir hatten zum Beispiel am Sonntag auch unsere Campingstühle überall mit dabei. Deswegen sind die Bühnen auch schon gegen Mittag relativ gefüllt, da einfach alle Leute ihre Sachen mit zu den Bühnen nehmen und sich lieber bei den Bands „volllaufen lassen“ als am Campingplatz. Wobei man sagen muss, dass ich auch in diesem Jahr kein einzigen Totalausfall inachen Alkohol gesehen hab.

Und auch der Kleidungsstyle geht immer noch sehr in die Richtung Hippies. Des macht einfach einen friedlichen Einruck und schafft ein schönen Flair.

Auf was ich jetzt nochmal kurz eingehen möchte, ist die Sache mit Beyonce. Ich glaub, wenige konnten sich am Anfang mit dieser Bestätigung anfreunden, aber im Nachhinein war es einfach wieder mehr als ganz großes Tennis von den Eavis diesen Coup durchzuführen. Das ist einfach komplett was anderes wie sonst die üblichen Verdächtigen und im Prinzip der Schritt was in ferner Zukunft absehbar ist. In UK wahrscheinlich deutlich schneller wie hierzulande. Jay-Z 08, Shakira 10, Beyonce 11 oder auch Eminem letztes Jahr bei T in the Park. Es werden immer mehr Mainstream-Chart-Künstler auf Festivals auftreten, da in diese Richtung noch Platz nach oben ist, bevor man halt alle 2 Jahre diegleichen Bands bucht. Katy Perry, Lady Gaga, Rihanna oder auch Black Eyed Peas man könnte scho noch ein paar dieser Künstler aufzählen. Bei uns wird es wohl aber noch eine Zeit lang dauern ums so einen Headliner wie eben Beyonce zu bestätigen. Mit Jay-Z im Park 2010 ist immerhin scho mal ein Anfang gemacht. Vorallem merken denk ich dieses Künstler auch, dass man mit Livemusik ziemlich Geld schaufeln kann, da die Plattenindustrie immer mehr den Bach runtergeht.

Ich fand Beyonce auf jeden Fall gigantisch und so schnell werd ich wohl auch die Gelegenheit nicht mehr haben, sie zu sehen. Auf nem Einzelkonzert würd ich sie mir nämlich wohl kaum anschauen. Da sind mir dann wieder zu viel Teenies. Aber aufm Festival, warum nicht?
Es muss ja nicht gleich ein Mainstage-Head sein, es würde ja schon 1-2 Künstler in den ersten 2-3 Reihen reichen. Einfach mal trauen liebe Booker! Da ist das Glastonbury einfach allen voraus! Immerhin besser, als alle 2-3 Jahre Metallica, Hosen, Foo Fighters, Ärzte oder sonstiges.
Als Vergleich mal noch schnell die Heads bis 2006 von RiP, Sosi und Glasto! Beim Glasto KEINE einzigste Wiederholung!!!!

Desweiteren muss man einfach nochmal die perfekte Soundabmischung herausheben. Selbst auf den kleinsten Bühnen ist so ein perfekter Sound und auch auf dem riesigen Pyramidfield hat man eigentlich immer sehr guten Sound, es sei denn der Wind steht äußerst schlecht. Ganz heftig fand ichs bei der ersten Band Metronomy, da war ich ein gutes Stück hinterm Wellenbrecher gestanden, aber der Bass war trotzdem noch mehr als ausreichend. Wohl gemerkt um 12 Uhr mittags!!!

Und auch das Problem mit dem Matsch, wie oben schon mal kurz beschrieben, wird hier richtig erkannt und man merkt wenigstens, dass sie alles versuchen, es den Besuchern ein wenig netter zu gestalten. Klar gibt’s auch hier an manchen Stellen des ganze Wochenende größere Matschseen, aber des Gelände ist auch ein bisschen größer als alles vergleichbare.

Allerdings sind die Hauptwege eh mit richtigen Platten aus Kunststoff und Metallverstrebungen ausgelegt, da ja auch Fahrzeuge die Wege passieren müssen und somit haltet es sich immer in Grenzen. Dazu kommen noch Unmengen von Stroh und Hackschnitzel was an ganz schlimmen Stellen ausgestreut worden ist und zuvor wurde an vielen Stellen sogar der Matsch mit riesigen Güllefässern abgesaugt!! Herzlichen Dank! Ferner wurde dann an einigen Plätzen sowie an manchen Bühnen noch ordentlich Stroh verteilt, dass sich die Besucher trotzdem noch auf den Boden chillen können. Allgemein noch zu erwähnen ist, dass ich die ersten Matschtage keinen einzigen Besucher ohne Gummistiefel bzw festes hohes Wanderschuhwerk gesehen habe, da sind uns die Leute auch wieder um einiges voraus.

Das wars von mir, ich kann es nur jedem Empfehlen, wer mal auf ein Festival gehen will, dass den Namen auch wirklich verdient hat und sicher es zu einen seiner besten Tage im ganzen Leben macht.
Dieses Jahr waren wir ja, anstelle wie 2010 nur zu zweit, zu siebt unterwegs, was auf jeden Fall angenehmer ist, allerdings muss man zugeben, dass man so viel mehr auf die anderen achten muss, da auch alle ein anderes Schritttempo gehen. Letztes Jahr musst ich mich halt nur auf eine Person konzentrieren und hier hat man schnell mal den Anschluss verloren.
Es gehört auf jeden Fall eine Menge Organisation dazu, genauso braucht man auch das nötige Kleingeld. Überschlagen dürften es wohl bei mir dieses Jahr zwischen 830-850 Euro mit allem drum und dran gewesen sein. Das nötige Glück beim Ticketkauf muss natürlich auch vorhanden sein!!
Ich kann nur von meiner Seite schon behaupten, bestimmt einige mehr aus unserem Camp auch, dass wir 2013 wieder alles versuchen werden, diese verdammten Tickets zu bekommen.

Cheers

 

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