Rocken am Brocken: Interview mit Max von Vierkanttretlager

Rocken am Brocken: Interview mit Max von Vierkanttretlager

Den Auftakt unsers Rocken am Brocken Interview Specials machen Vierkanttretlager aus dem hohen Norden. Sänger Max hat uns auf unseren gemütlichen Campingplatz begleitet und etwas aus dem Nähkästchen geplaudert. Dabei wurde allerhand gelacht und philosophiert. Sogar Pfandflaschen sammelnde Kinder konnten uns da nicht aus dem Konzept bringen.

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Exklusiv: Interview mit Totally Enormous Extinct Dinosaurs

In den folgenden Zeilen lest ihr das komplette Interview zwischen dem Soundbox-Blog und Totally Enormous Extinct Dinosaurs. Eins sei gesagt: Der Typ ist sehr sympatisch und hat definitive eine Menge Ahnung von dem, was er da von sich gibt. Nachdem wir im gemütlichen Lederer Biergarten bei Bier und Zigarette Platz genommen hatten, ging’s auch direkt zur Sache. Überzeugt euch einfach selbst!

Hallo Orlando, könntest du dich bitte unseren Lesern, die dich noch nicht kennen, vorstellen?

Hey, ich bin Totally Enormous Extinct Dinosaurs. Wir sind hier in Nürnberg und das sind die Jungs von Soundbox!

Du kommst aus einem von klassischer Musik geprägtem Umfeld. Welche Arten von Musik haben dich während deiner Kindheit besonders stark beeinflusst?

Als ich noch sehr jung war, hörte ich ausschließlich klassische Musik. Ich mochte Mozart und Bach. Als ich ungefähr 5 Jahre alt war, hörte ich mir nur deren Sachen an. Mein großer Bruder fuhr tierisch auf Musik ab. Ich schlich mich dann immer in sein Zimmer und klaute seine Tapes. Anfangs waren das dann so Sachen wie die Beatles und Jimmy Hendrix, dann fand ich viel frühe Rave Musik. Da stand ich voll drauf als ich so 11 oder 12 war. Ich entdeckte Jungle für mich und tauchte in die elektronische Musik ein. Da mochte ich dann Zeug wie Unkle, Kruder & Dorfmeister. Es drehte sich alles um Dance Musik, kein House oder Techno, nur Jungle und so Trip-Hop Geschichten.

Bist du immer noch Unkle Fan?

Hmmm, ich liebe das Psyence Fiction Album! Von den neuen Sachen habe ich noch nichts gehört. Ich hab es auch ehrlich gesagt gar nicht versucht. Wenn du ein Kind bist, dann liegst du mit Kopfhörern in deinem Bett und hörst dir das ganze Album an. Aber heute mache ich das nicht mehr. Ich höre mir nie ein komplettes Album an.

Glaubst du, dass das Genre „Neue Musik“ (20th/21st -century classical music) und Techno/elektronische Musik in Zukunft näher zusammen finden werden?

Ja, das denk ich auf jeden Fall! Im Moment gibt es da viele Leute, die sich an Crossover Projekten versuchen. Mit Crossover meine ich, dass beide Genres näher zusammen kommen. Dance Musik muss sich weiter entwickeln (lacht).

Wird der Trend dann eher in Richtung Sampling gehen oder spielen Künstler aus dem elektronischen Bereich mit richtigen Orchestern zusammen?

Ich glaube, einige der Ideen, die hinter zeitgenössischer klassischer Musik stehen, haben es bereits in Dance Musik geschafft. Minimalismus war da ein großes Thema, besonders bei Techno. Ich glaube, wir brauchen da eine intelligentere, ausgereiftere Herangehensweise. Die Leute, die große Werke unserer Zeit geschaffen haben, hatten genau diese Erfahrenheit und Perfektion.

Was willst du mit deiner Musik erreichen? Einerseits ist da diese Melancholie, andererseits die absolute Dancefloor Tauglichkeit. Verwirrt das die Menschen, wirst du mit offenen Armen empfangen oder hast du gar schon einmal Kritik einstecken müssen?

Also, Kritik –hmmmm- wisst ihr, das interessiert mich nicht! Ich glaube den Leuten gefällt was ich da mache. Was ich mit meiner Musik erreichen will? Nun, ich hab kein wirkliches Ziel. Ich liebe es einfach Musik zu schreiben. Das ist alles! Ich versuche einfach etwas zu machen, was in meinen Augen Sinn in der heutigen Musikwelt macht. Ich will einfach alles etwas anders machen. Nicht zu viel schauen, was die Anderen gerade so machen. Niemanden kopieren. Einfach nur das machen, was ich selbst hören will. Es gibt also kein übergeordnetes Ziel. Nur gute Musik machen, die Menschen glücklich macht.

Ein Großteil deiner Veröffentlichungen sind Remixe. Ist man bei Interpretationen von Songs anderer Künstler nicht eingeschränkter als bei der Arbeit an eigenem Material?

Das ist nur so, weil ich im Moment noch an meinem Album arbeite.  Der Wert an einem Album sind die Tracks aber verständlicherweise sind Remixe viel leichter zu machen und vor allem leichter zu veröffentlichen als eigene Sachen. Wenn du selbst etwas veröffentlichst,  musst du dich um die ganze Kampagne dahinter kümmern. Du willst ja, dass die Leute mit bekommen, was du da machst. Wenn du einen Remix machst, dann ist das die Aufgabe von jemand anderem. Gleichzeitig ist nichts an Remixen „nicht kreativ“. Es ist halt eine komplett andere Herausforderung. Ich habe auch schon seit längerer Zeit keinen Remix mehr gemacht. Erst vor ein paar Wochen hab ich wieder damit angefangen und ja – ich liebe Remixe!

Vor kurzem hast du in einem Interview gesagt “Die schönste Musik der Welt stammt von Bach und warum sollte ich versuchen, mich daran zu messen?“. Bringt so eine Einstellung die Entwicklung in der Musik nicht zum Stillstand?

(lacht) Nein, ich glaube es geht da eher um Respekt eines Meisters gegenüber! Ich habe nie behauptet irgendwann einmal etwas auf seinem Niveau zu machen. Leute, die Pop und Dance Musik machen, können das nie schaffen. Alles was wir machen ist sich immer wiederholender, billiger Scheiß (original: All we do is just repetitive, cheap bullshit)! Es ist nicht komplexes, keine große Architektur. Was ich mache ist nur eine viereckige Kiste. Also sehr, sehr einfach. Ich hoffe, das lässt mich jetzt nicht klingen als ob ich keine guten Sachen machen will. Ich glaube nur, dass die Menschen nicht ausreichend verstehen, dass alle Musik miteinander verbunden ist. Wir sollten von Allem etwas mit bekommen.

Glaubst du, das Internet hat zu deinem Erfolg beigetragen?

Ich hasse das Internet!

Du hasst das Internet? Und wie beurteilst du die Rolle kleiner Blogs (wie unserer)?

Also wenn es um Werbung geht ist das Internet großartig! Aber gleichzeitig hat das Internet das Geheimnisvolle an Musik zerstört. Wir alle lieben Musik oder auch den jeweiligen Künstler wegen dem Geheimnisvollen, das dahinter steckt. Die Aufregung, wenn man etwas Neues von seinem Lieblingskünstler  hört. Du weißt im Vorfeld noch nicht viel darüber. Das macht den Reiz aus. Heute ist das anders. Wir spielen ein anderes Spiel. Ich liebe dieses Spiel zwar auch aber ich vermisse die Zeiten in denen es noch Plattenläden gab. Pro Jahr kamen nur ein oder zwei Interviews in irgendwelchen Magazinen raus und man dachte sich, fuck, ich hab Jahre darauf gewartet über dieses Thema zu lesen!  Klar hat das Internet auch gute Seiten.  Das wirklich kritische an der Geschichte ist, dass die komplette Musikindustrie nur noch auf Zahlen beruht.  Sachen wie YouTube Hits, Facebook Likes, Playes auf Mayspace, Follower auf Twitter – aber diese Sachen bedeuten rein gar nichts!  Auch nicht, wenn du 4 Millionen Facebook Likes hast.

Ist der Output an Musik schlechter geworden, seit es das Internet gibt?

Schwer zu sagen. Es gibt auf jeden fall sehr viel wirklich beschissene Musik da draußen (lacht)! Aber schlechte Musik gab es ja schon immer, man hat sie eben nur nicht so leicht mitbekommen. Eine Sache die sich geändert hat ist, dass Musik wieder mehr in den Medien vertreten ist.  Das ist auch einer der Gründe, warum Dubstep wieder so beliebt ist.  Wenn du bei YouTube nach Musik suchst, dann klingt ein 11min Langer Techno/Minimal Track nicht gut. Aber wenn du dich 30sec lang in einen Dubstep Track reinklickst und der gleich voll einsteigt, dann ist das echt krass. Du musst nicht lange warten oder die Musik kennen.  Man kommt schnell in die Musik rein. Wahrscheinlich trägt das alles dazu bei, dass wir weniger Geduld für Musik haben.

Fast alle Künstler positionieren sich heute im Social Media, allem voran Facebook. Dabei gibt es doch so viele Plattformen, die für Künstler/Musiker gemacht wurden (e.g. Soundcloud, Myspace,…). Warum fristen die deiner Meinung nach ein Nischen Dasein?

Das ist wirklich sehr schwierig. Ich versuche einfach immer überall etwas präsent zu sein. Aber ich mag diese ganze Sache nicht. Ich wünschte, wir wären wieder zurück in den guten alten Myspace Tagen. Myspace war großartig. Wenn man seine eigene Seite hatte und den Künstlern folgen konnte, die man mochte, dann war das wirklich cool. Man war teil der Community. Jede Seite hatte ihre eigene Persönlichkeit. Diese ganze Facebook Geschichte ist nicht gut. Ich bekomme von vielen Leuten, besonders aus UK mit, dass sie mittlerweile kein Facebook mehr benutzen wollen und ihre Profile löschen.

Also kommt die gute alte Homepage zurück?

Das wär wirklich cool glaube ich! Keep it simple! Nichtsdestotrotz sind all diese Websites super. Soundcloud ist umwerfend!

Kümmerst du dich selbst um deine Social Media Auftritte?

Ja, es gab nur eine Ausnahme, als das Label etwas veröffentlicht hat. Aber das war nur, weil ich zu der Zeit auf der Bühne stand.  Ich mag den Gedanke nicht, dass jemand anderes in meinem Namen Dinge veröffentlicht. Das ist irgendwie komisch.

Du spielst dieses Jahr auch sehr viele Festival Shows. Machen kleine Clubauftritte immer noch Spaß?

Auf jeden Fall! Weil du da das Publikum besser spürst. Deshalb mag ich es auch zu singen. Ich singe  für die kleinen Clubs! Da ist einfach mehr Energie. Auf Festivals ist man teilweise zu sehr vom Publikum losgelöst.

Nächste Woche bist du auch auf dem Melt! Festival zu Gast. Hast du im Vorfeld schon etwas vom Melt! gehört und weißt was dich dort erwartet?

Ich hab viele Freunde, die schon dort waren und auch welche, die selbst da gespielt haben. Ich glaube, es wird einfach überragend! Ich freue mich auf jeden Fall sehr drauf. Mehr als auf jedes andere Festival in diesem Sommer.  Ich kann’s kaum erwarten. Ich hab einen klasse Slot bekommen. Leider überscheide ich mich mit Modeselektor und Crystal Castles. Das wird bestimmt schwierig aber Überscheidungen gibt es ja schließlich immer.

Ich habe gelesen, du „kannst nicht cool sein“. Ist das wirklich der Grund für deine extravaganten Verkleidungen? Bist du nicht genau wegen denen extrem cool und interessant?

Ich glaub so cool und speziell kann das Kostüm gar nicht aussehen. Ich hoffe, dass das es die Leute in einer Art und Weise inspiriert, sie entspannen lässt. Ich will einfach etwas lockerer sein als der coole DJ mit seinem coolen T-Shirt, der coole Tracks auflegt. Ich hab da keine Erwartungen.

Die Idee von Jägermeister, Tradition mit elektronischer Musik zu kombinieren kommt deinem Ansatz auch ziemlich nahe. Was denkst du über die Jägermeister Wirtshaus Tour?

Ich liebe diesen Biergarten! Und ich liebe das Essen was es hier gibt. Das Bier ist gut. Wenn du in England in einen Biergarten wie diesen gehst, dann ist der überfüllt mit Menschen und alle sind besoffen.  Hier ist es einfach nur schön, das mag ich sehr.

Ein Interview von Marius Wittenborn und Tobias Gruner

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Kurz Review: Jägermeister Wirtshaus Tour Nürnberg

Nürnberg, es steht wirklich ernst um dich. Wie kann es sein, dass in einer Stadt, die sich “Metropole” nennt einfach nichts los ist? Kaum serviert man den Menschen Kaviar verschmähen sie diesen und stürzen sich lieber auf das Aas.
Genau so geschehen gestern Abend. Das Jägermeister Wirtshaus gastierte in Nürnberg mit wirklich erstklassigen Acts an Bord. Aber niemand wollte sich so recht hinterm Ofen hervor locken lassen. Ich kann mit Sicherheit sagen, dass dieser Umstand nicht der Qualität der Veranstaltung geschuldet war. Mittlerweile lebe ich lange genug in Nürnberg um zu wissen, dass dies leider Dauerzustand ist.
In dieser Stadt scheint es einfach nur Extreme zu geben wie mir scheint! Auf der einen Seite Leute, die auf “harte” Rockmusik stehen, dann wiederum die R’n'B/Elektro/Charts Fraktion und in der anderen Ecke die auf 90er Jahre Techno hängen gebliebenen. Wo bleibt da die moderne Popkultur? Wo bleiben die Alternativen? Die Szene ist so klein, dass man in einer “Metropole” jedes Wochenende dieselben Menschen beim Weggehen trifft. Habt ihr alle Angst vor etwas Neuem?  Da stimmt doch irgendwas nicht…oder?! Liegt es an der fränkischen Mentalität oder was ist der Grund dafür, dass ich bei Konzerten nur mit 20 anderen Menschen im Raum stehe? Wo bleibt der Rest? Die können doch nicht jeden Tag im Planet/WON/Loop und wie sie alle heißen rumhängen.
Wie dem auch sei, ich hab genug gejammert. Nun soll der gestrige Abend inhaltlich noch etwas beleuchtet werden.

Los ging‘s für uns um kurz nach 19 Uhr, als wir uns im Biergarten der Lederer Brauerei einfanden. Kurze Zeit später teilten wir uns eine Bierbank mit Orlando Higginbottom alias Totally Enormous Extinct Dinosaurs und entlockten ihm im Interview ein paar sehr interessante Aussagen. Das komplette Interview lest ihr in Kürze genau an dieser Stelle.

So viel sei verraten, die deutsche Biergarten Kultur und natürlich das deutsche Bier wurden durchweg gelobt! Danach stand dann das Buffet auf dem Programm. Wir staunten nicht schlecht, als wir riesige Schäufele erblickten und schlugen uns prompt den Bauch bis Anschlag voll ;)
Zu dieser Zeit schien draußen parallel die Welt unter zu gehen, denn ein Gewitter hatte sich über Nürnberg festgesetzt. So kam drinnen romantische Wirtshaus Atmosphäre auf. Wirklich sehr nett! Allgemein kann man sagen, dass die Location wie die Faust aufs Auge gepasst hat. Rustikale Einrichtung, fränkische Küche und leckeres selbst gebrautes Bier vom Fass. So stellt man sich das vor!

Nebenan wurden dann schon die ersten TrashPop Beats von Dominic Pohlmann auf die (leider leere) Tanzfläche los gelassen. Danach sollte das Nürnberger DJ Duo Optimus Maximus für Stimmung sorgen, aber die Tanzfläche blieb immernoch größtenteils leer. Die Leute genossen viel lieber das gesellige Beisammensitzen samt Kicker, Tischtennis, Darts und Jenga.

Erst als dann um kurz vor 12 Totally Enormous Extinct Dinosaurs die Stage enterte war der Dancefloor gut gefüllt. Die Stimmung war durchweg sehr gut. Nach den Startschwierigkeiten des Publikums hatte ich schon böses geahnt (siehe Absatz oben). Aber scheinbar wurde der Nerv der Nürnberger Feierkultur ganz gut getroffen. Allen, die da waren hat es auch super gut gefallen. Wahrscheinlich kann man hier das gute alte Sprichwort “Was der Bauer nicht kennt, frisst er auch nicht” anbringen. „Totally wer? Jägermeister Wirtshaus? Is bestimmt doof, da geh ich nich hin…“
Den Auftritt von Totally Enormous Extinct Dinosaurs in Worte zu fassen fällt etwas schwer. Deshalb gibt es an dieser Stelle zwei Videos für euch.

Wie das bei live Acts so der Standard ist, war nach knapp 45min die Show auch schon wieder vorbei und D.I.M. übernahm das Ruder. Dazu kann ich nicht viel sagen. Ist halt Elektro/Techno Zeugs aus dem Hause Boys Noize Records. Und genauso kompromisslos, wie der Boys Noize Trademark Sound eben ist, war auch dieser Auftritt. 100% auf den Dancefloor, ohne Rücksicht auf Verluste. Wie gesagt, ganz Nett aber nicht mein Fall. Zu dieser Zeit verließen die meisten Gäste das Wirtshaus auch schon wieder. Ich blieb noch etwas, quatschte mit alten und neuen Bekannten, trank den ein oder anderen Jägermeister und machte mich letztendlich im Regen auf den Weg nach Hause (denn in der “Metropole” schließen die U-Bahnen pünktlich kurz vor 1 ihre Türen…).
An dieser Stelle geht noch ein Gruß raus an den Mann am Mischpul: Das nächste Mal bitte etwas leiser, ok?! Danke!

Es war auf jeden Fall wieder ein sehr geiler Abend. Jägermeister weiß einfach, wie man gute Partys feiert. Deshalb freuen wir uns schon wieder tierisch aufs nächste Mal wenn uns das Wirtshaus zu sich ruft.

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Exklusiv: Interview mit Frittenbude

Im Folgenden lest ihr das gesamte Interview des Soundbox-Blog mit Frittenbude. Entstanden ist das Ganze im Rahmen der Jägermeister Wirtshaustour am 21.04.2011 in Frankfurt.

Nachdem über den Soundbox-Blog und dessen Inhalte sowie über unsere Herkunft und die doch nicht ganz ungewöhnlichen Umstände unserer Anwesenheit in Frankfurt gequatscht wurde, ging es dann auch schon voll los…

Soundbox-Blog: Was haltet ihr von der großen Anzahl Blogs, die sich mit Musik, Popkultur usw. beschäftigen?

Jakob: Seit Facebook ist das Ganze etwas zurück gegangen. Ich war noch vor 1-2 Jahren viel öfter auf Blogs unterwegs als jetzt, aber generell natürlich eine geile Geschichte! Weil Blogs sind die wirklich unabhängigen Medien!

Johannes: Die Meinung der großen Musikmagazine ist seitdem auch nicht mehr so wichtig. Wenn fünf Magazine Sch**** über ein Album schreiben, welches aber im Netz zum Beispiel von Blogs gehyped wird, dann hat die Meinung der Magazine letztendlich nichts mehr zu bedeuten.

Martin: Ich find’s schade, dass dieses ganze „Facebook Verlinke“ Blogs wiederum langsam in den Hintergrund stellt. Die Leute schauen nur noch auf ihr blödes Facebook, weil sie zu Faul sind, noch auf die Seiten zu gucken.

Johannes: Stimmt, selbst so’n Clip von 4min ist schon zu lang… Es muss alles kurz sein, eine Minute abgehandelt und fertig.

 

Soundbox-Blog: Wart ihr dann auch RSS Feed User, die ihre Stammwebsites regelmäßig nach neuen Beiträgen durchsucht haben?

Martin: Ahhh, dieses Sagenumwobene RSS… Neee, das haben wir bisher nicht gecheckt *lacht*

Johannes: Wir sind eher so für die guten alten Lesezeichen.

Johannes: Ja und was ist dann jetzt RSS?

Martin: Dann kriegst du immer so Updates, wenn dein lieblings-Blog was Neues postet!

*kollektives Aha-Erlebnis*

 

Soundbox-Blog: Welche Rolle spielte das Internet für den Bekanntheitsgrad von Frittenbude?

Jakob: Ziemlich wichtig. Wir sind anfangs ja nur übers Internet gebucht worden. In unserer Region haben wir gar nicht so viel Feedback bekommen. Wer weiß, ob’s uns jetzt noch geben würde, wenn das Internet nicht da wäre. Mittlerweile läuft die ganze Kommunikation übers Internet.

Johannes: Wir waren ja auch komplett unbekannt, Leute kannten uns nur übers Internet und wir hatten wirklich nicht viele Konzerte gespielt aber wo wir auch hin kamen waren Leute, die unsere Songs mitgesungen haben.

Jakob: Schade, dass es sowas wie Myspace nicht mehr gibt, bzw. das es so am Sterben ist. Es gibt im Moment einfach keine wirkliche Music-Social-Network Plattform. Es gibt zwar Soundcloud, aber das ist eben speziell für Musiker. Bei Myspace fanden sich alle Arten von Künstlern.

 

Soundbox-Blog: Dafür funktioniert ja die Soundcloud Integration auf Facebook recht gut.

Johannes: Es fehlt aber ein richtiges Musiker Profil auf Facebook.

Jakob: Das gib es schon, Band Page oder so ähnlich… aber trotzdem funktioniert das Ganze nicht richtig.

Johannes: Ich find schon, dass das ganz gut Funktioniert. Du hast all deine Sounds da drin.

Jakob: Ja, aber du muss zahlen um es richtig nutzen zu können! Leider noch nicht so optimiert…

Johannes: Aber auf Myspace hatten wir doch auch nur vier Songs am Schluss.

Martin: Das warn dann aber auch die Geilsten!

Jakob: Stimmt! Wie wichtig das war, das ist Wahnsinn! Das Internet ist so schnelllebig. Vor einem Jahr noch haben uns Veranstalter die Hölle heiß gemacht, wenn ein Gig nicht rechtzeitig auf Myspace angekündigt war. Und jetzt interessiert’s einfach keinen Menschen mehr. Dann gab’s ja da auch noch diese Myspace-Charts und wenn man da recht weit vorne war, dann war das ja fast schon wichtiger wie in den richtigen Charts…

Johannes: Neeeeeee!

Jakob: Dann halt nur für mich…

*alle lachen*

 

Soundbox-Blog: Fühlt ihr euch dann eher auf kleinen Bühnen wohl oder spielt ihr lieber vor 1000en von Leuten?

Johannes: Das hat beides was für sich. Es ist schon der Sonderfall, wenn du vor sau vielen Leuten stehst und du die auch alle mitreißen kannst, aber es ist genauso schön wenn du in einem kleinen Kaff spielst und du einfach genau siehst, wie die Leute Bock und Spaß haben.

Jakob: Es gibt natürlich auch Festivalauftritte die nerven, weil es halt sau anstrengend ist.

Martin: Boa… ich muss mal! *klinkt sich erst einmal aus*

Jakob: Wir waren auch schonmal in einem kleinen Lokal in Berlin und nach dem ersten Song ist uns das Hauptmischpult ausgefallen. Dann war da fast eine halbe Stunde einfach kein Sound und die Leute haben trotzdem weiter getanzt und gesungen! Aber wenn so etwas auf einem Festival passieren würde, dann würden die Leute einfach angepisst wegrennen. In einem kleinen Laden ist es eher akzeptabel, wenn mal Scheiße passiert.

 

Soundbox-Blog: Letztes Jahr habt ihr ja auch die Dorfdisko Tour hinter euch gebracht. Die hat euch sicher auch Einblick in die Feierkultur quer durch ganz Deutschland gegeben. Wo kann man eurer Meinung nach besser feiern? Dorf oder Stadt, Ost oder West, drinnen oder draußen?

Johannes: Das ist ganz egal wo, gefeiert wird überall! Das kann man nicht fest machen. Es gibt natürlich immer mal Abende, wo es nicht so abgeht, aber das kann man nicht einfach über einen Kamm scheren.

Jakob: Zum Beispiel letzte Woche waren wir auch irgend nem Dorf in Ostfriesland mitten im Nirgendwo. Das war die absolute Dorfdisko, sowas haben wir noch nicht gesehen. Das war trotzdem geil. Also wir haben auch erst gedacht „mein Gott, wie wird das?“ aber es war trotzdem geil. Die Leute hatten Bock auf das Konzert und waren froh, dass endlich mal irgendwas Geiles in die Nähe kommt und…Passt!

 

Soundbox-Blog: (Ihr als Bayern…) Tanzverbot an Feiertagen? Muss das heute wirklich noch sein?

Johannes: Totaler Schwachsinn!

Jakob: Es gibt auch Wege, das zu umgehen. Wir haben schon so oft an Abenden gespielt, an denen Tanzverbot war oder sind selbst feiern gegangen. Ich versteh gar nicht, warum sich die Leute da noch dran halten! Es gibt immer einen Grund zu feiern.

Johannes: Das ist ja auch das Kranke daran. Du gibst den Leuten einen Feiertag und verbietest ihnen dann das Feiern.

Martin: *kommt gerade mit einem Teller vom Buffet wieder* Du kannst ja auch nicht sagen, seid alle kollektiv traurig, weil damals der Jesus…

Johannes: …Ach, das hat was mit Jesus zu tun?!

*Gelächter*

Jakob: Streng genommen ist es der totale Schwachsinn, weil Staat und Religion eigentlich getrennt sein sollten. Aber auf der anderen Seite gibt es christliche Feiertage, an denen man nicht tanzen oder feiern darf.

 

Soundbox-Blog: Wie steht ihr denn zur momentanen Entwicklung in der elektronischer Musik (Junge Produzenten wie Nikolas Jaar, Dubstep Hype à la James Blake, Pop mit Folk Einflüssen, usw.)?

Jakob: Sehr geil! Richtig gute Musik.

Johannes: Nicolas Jaar bin ich riesen Fan, James Blake auch.

Jakob: Ganz ehrlich, wir waren ja auch eher so auf härteren Partys. Also Nu-Rave würde ich’s mal bezeichnen. Und das Ganze war irgendwie schon so ein bisschen durch. Also ich selber konnte es kaum noch hören. Und parallel gab’s ja dann immer noch die Minimal Schiene. Aber heute trifft sich dann wieder alles in der Mitte. Leute die ganz ruhig waren, und jetzt wieder härter werden, aber auch Leute die hart waren und jetzt wieder ruhiger werden und sich alles in so einer geilen, groovigen Mitte trifft.

Johannes: Das ist zum Beispiel auch an Dubstep das Schöne, dass du mal so 20min Ruhe hast und dann  geht’s wieder richtig gut zur Sache. Auch wenn’s blöd klingt, es ist einfach für Jeden was dabei!

 

Soundbox-Blog: Also kann man schon sagen, dass ihr der Meinung seid, dass heute wirklich jeder gute Musik in seinem eigenen Schlafzimmer machen kann?

*Lachen*

Johannes: Wir machen eigentlich nichts Anderes!

Jakob: Also das erste Album ist komplett in meinem Bett entstanden. Jedenfalls vom Instrumentalen her.

Johannes: Ich hab auch drei Texte vom ersten Album in einer Nacht komplett in meinem Bett geschrieben. Da hatte ich noch so ne Platzwunde an der Hand und hab komplett die Textblätter vollgeblutet.

Jakob: Und wir hören uns ja selber auch ganz, ganz unterschiedliche Musik an. Auch viel ruhige Musik, die man gar nicht so zum Feiern hört. Bei mir selber, also wenn ich jetzt Musik produziere, dann will ich immer so nen Peak erriechen, also ein Gefühl, was einen zum Abgehen zwingt. Ich mach zwar auch oft chillige Musik aber das ist mir dann doch meist zu…ähhhh….chillig

 

Soundbox-Blog: Mit welchem Stück Hardware bastelst du dann bevorzugt an deinen Tracks Jakob?

Jakob: Ich hab mir jetzt vor Kurzem erst nen Synthesizer gekauft, den Moog Voyager, den nutz ich eigentlich hauptsächlich. Dann hab ich noch nein feinen kleinen analog Synthi, den Tetra von Dave Smith – auch ne feine Kiste. Ja, und sonst läuft alles in Logic oder Ableton zusammen.

 

Soundbox-Blog: Welche Künstler haben euch als Frittenbude besonders beeinflusst?

Martin: So viele….!

Jakob: Das kann man so nicht sagen…

Johannes: DJ Hell auf jeden Fall und T-Raumschmiere. LCD Soundsystem!

Martin: Aber auch so Hip-Hop Geschichten.

Jakob: Also ganz klar würde ich sagen Wu-Tang Clan damals in den 90ern. Wie Rza seine Beats gebaut hat, dass kommt zum Beispiel in Songs wie „Bilder mit Katze“ gut raus. Da wollte ich auch unbedingt hin, also vom Instrumentalen her. Also so ein typisches „Loop-Ding“, was sich 3min nicht großartig verändert, sonder immer wieder kommt.

 

Soundbox-Blog: Dann wollen wir euch nicht mehr länger langweilen. Kommen wir zur letzten und wohl entscheidenden Frage: Wie trinkt ihrer euren Jägermeister am liebsten?

Kollektiv: Gar nicht!

*alle lachen*

Johannes: Wodka!

Martin: Naja doch, ab und zu schon, aber er muss schon kalt sein!

Johannes: Wenn dann kalt und richtig kalt und pur! Jahrelang hab ich ihn immer mit Red Bull gesoffen, aber das ist so ne süße Plörre…

Jakob: Wenn wir so unter uns  sind ist das Ding ja, dass wir das jedes Wochenende machen. Und dann geht das irgendwann nicht mehr mit Jägermeister saufen. Dann brauchst du einfach nur Klaren, der nach nichts schmeckt und einfach nur funktioniert!

Martin: Aber da reagiert halt jeder Magen anders… oder jede Leber.

Johannes: Also kein Whiskey, kein Jägermeister, nur Purer.

 

Soundbox-Blog: Dann bedanken wir uns bei euch für die aufschlussreichen Antworten!

Johannes: Wir uns auch! War nett, Danke!

 

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