The Temper Trap – The Temper Trap

The Temper Trap – The Temper Trap

Es gibt Lieder, die berühren einen. Diese Lieder brennen sich ganz tief ins Gedächtnis und schaffen das, was Popmusik viel zu selten schafft. Sie sind zeitlos und bleiben einfach immer hörbar. Nicht viele Bands können solch einen Song auf ihrem Konto verbuchen. Aber The Temper Trap ist mit Sweet Disposition im Jahr 2009 genau solch ein Hit gelungen.

Mehr

Little Dragon – Ritual Union Plattenkritik

Little Dragon – Ritual Union Plattenkritik

Die vier überaus sympathischen Schweden von Little Dragon sind seit Ende letzter Woche mit ihrem neuen Album Ritual Union zurück in der Welt des Pop und interpretieren das Genre ganz nach ihrem eigenen Geschmack.

Vor wenigen Jahren noch, war die Musik von Little Dragon wohl eher etwas für Sound-Nerds. Schwer zugänglich waren die Songs, die man eigentlich eher als Tracks bezeichnen sollte und ausgeklügelt die Arrangements. Otto Normal Hörer hat das wohl eher abgeschreckt. Aber bereits im letzten Album Machine Dreams blitzte die Mainstream Tauglichkeit von Elektro Pop immer öfter auf.

Nun, im neuen Album ist man den Weg konsequent weiter gegangen. Ein Großteil der Titel auf der Platte ist klassische Popmusik. Die Songs sind übersichtlicher gestrickt. Man setzt konsequent auf Minimalismus, denn weniger ist bekanntlich auch des Öfteren mehr! Man muss eine Little Dragon Scheibe nun nicht mehr 20 Mal hören, um all ihre Facetten zu erkennen und in die Schönheit der Songs einzutauchen. Das Album eignet sich auch einfach für den Konsum Zwischendurch. Auf der anderen Seite steht aber weiterhin eine ausgeklügelte Struktur der Lieder. Das ist keine stumpfe Lady Gaga Musik. Und das wird sie auch hoffentlich nie werden. Schon allein die Tatsache, dass Yukimi wirklich Singen kann und ihre drei männlichen Bandkollegen ihre technischen Spielereien wirklich beherrschen, unterscheidet sie von „Pop Sternchen“ unserer Ära. Außerdem ist man bewusst „anti Cool“ und bringt so den schwedischen Charme gekonnt rüber.

Songs wie Ritual Union zeichnen sich durch clevere Melodieverläufe aus, bleiben aber gleichzeitig überschaubar und gehen ins Ohr. Dazu wunderschöne Vocals von Yukimi und eine Eingängigkeit, die Radiotauglichkeit besitzt. Tanzbar geht es auch in Little Man zur Sache. Der Song wurde vor einigen Monaten bereits als Demo im Netz veröffentlicht und hat seither ein dezentes aber sehr angenehmes Feintuning hinter sich gebracht. Durchdachtes Basslining und nette Retro-Synths bringen eine enorme Leichtfüßigkeit in den Song. Auch Shuffle A Dream geht diesen Ansatz konsequent weiter und nimmt die Verspieltheit alter Little Dragon Klassiker wie Runabout wieder auf, wirkt somit erwachsen und durchdacht bis zum kleinsten Detail. Apropos Details: Das Album strotzt nur so vor filigranen Schnörkeleien (besonders perkussiver Art). Liebevoll produziert schmiedet sich alles zu einer homogenen Einheit zusammen ohne jemals deplatziert zu wirken. Die großen Momente des Albums werden bei Please Turn weiter geführt. Besonders die Hook in dem Song weiß zu gefallen. Ein klasse Synthesizer Arpeggio untermalt von der wunderschönen Stimme Yukimis begeistert einfach.

Zwischen diese eher auf den Dancefloor zielenden Stücke wurden immer wieder langsamere Tracks gesät. Diese verfolgen einen anderen Ansatz und werden wohl Little Dragon Freunde der ersten Stunden ansprechen. Crystalfilm bildet da eine Art Brücke zwischen Pop und Experimental. Eingängigkeit trifft Reduziertheit und Stimme ohne befremdlich zu wirken. Auch Precious schlägt diesen Kurs ein. Der Basslauf aus dem Synthesizer dominiert diesen Track und wird von organischem Schlagzeugklang untermauert. When I Go Out driftet dann weit ins Experimentelle und Ambient ab, ohne dabei zu überfordern. Alles bleibt geordnet ohne aber zu vorhersehbar zu sein.

Genau so lässt sich wohl das gesamte Album recht gut charakterisieren. Jeder Klang hat seinen festen Platz, jeder Melodieschnipsel, jedes gesungene Wort seine Berechtigung. Man sollte kein Überalbum erwarten. Ritual Union ist eine logische Konsequenz, die sich aus der Entwicklung der Band ergibt. Man wird tanzbarer, eingängiger. Aber ohne seine Wurzeln zu vergessen. Man liefert hochkarätige Popmusik ohne stupide Scheiße zu servieren. Und genau so wollen wir das doch, oder?

7.5/10 Punkte

Mehr

Melt! Festival 2011 Review

Melt! Festival 2011 Review

Text und Bilder von Tobias Gruner

Das Melt! liegt nun schon wieder einige Stunden hinter uns. Es wird also Zeit, die Eindrücke zu sammeln und auf Papier zu bringen, ehe diese langsam wieder verblassen.

Meine Reise begann erst Freitag früh, nachdem ich vom „Rockstarleben“ gebeutelt fast ohne Schlaf in den ICE nach Bitterfeld stieg. Eine knapp vierstündige Fahrt lag nun vor mir. Zur gleichen Zeit begab es sich, dass auf dem Zeltplatz in Ferropolis die ersten von der Audiolith Preparty gebeutelten  ihre Zelte verließen. Mir wurde der Luxus zu teil, dass mein Camp bereits stehen sollte, wenn ich ankomme. Der Rest von unserer Gruppe war nämlich bereits Donnerstagmittag angereist. Nachdem mich der Melt! Shuttle Bus die letzten Meter vom Bahnhof in Gräfenhainichen nach Ferropolis gebracht hatte, stand dem besten Festival des Jahres endgültig nichts mehr im Wege. Ich klemmte mir also meine sieben Sachen unter die Arme und machte mich auf zum Pressecounter um mir mein Bändchen sowie den Fotopass für die kommenden drei Tage zu holen.

Viel Zeit um es sich auf dem Zeltplatz bequem zu machen, blieb dann auch nicht mehr. Es war bereits 16 Uhr. Der große Hunger musste fix gestillt werden und dann lag auch schon ein Abend vor mir, der vor guten Acts fast platzte. Pünktlich um 17 Uhr hatten wir uns vor der Mainstage versammelt, um We Have Band zu sehen. Die machten einen durchweg überzeugenden Eindruck und brachten die ersten Füße in Tanzeslust.

Direkt im Anschluss machten wir uns auf den Weg ins Intro Zelt, welches gleichzeitig unsere Heimat für den Großteil des Abends werden sollte. Is Tropical standen auf dem Plan und sollten auch eines der Highlights dieses Tages, ja sogar Wochenendes werden. Wir freuten uns bereits riesig, denn das Debüt Album der drei Jungs hatte uns im Vorfeld bereits kräftig geflasht. Als dann mit South Pacific gleich ein richtiger Kracher als Opener kam, gab es fast kein Halten mehr. Leider wurde die erste Hälfte des Auftritts von einem etwas schlechtem, weil viel zu lautem Sound überschattet. Aber das war in diesem Moment egal, denn mit Hits wie The Greeks, Orange und Lies konnten Is Tropical voll und ganz überzeugen.

Im Anschluss daran machten wir uns auf ruhigere Klänge gefasst. Little Dragon sollten der nächste Act sein, der uns in Verzückung versetzt. Ich bezeichne mich jetzt mal als großen Fan dieser Band und kann mit Recht behaupten, dass mit diesem Liveerlebnis ein kleiner Traum in Erfüllung gegangen ist. Die anfangs erwartete ruhige Gangart sollte aber schnell Geschichte sein, denn die zweite Hälfte des Auftritts glich eher einem Techno Set vom Feinsten. Yukimi, die Sängerin, trat in den Hintergrund und sorgte mit extatischem Tanz und Perkussionseinlagen für Begeisterung. Gleichzeitig legten ihre drei männlichen Bandkollegen eine Spielfreude an den Tag, die das Publikum voll mitreißen konnte. Vollkommen überrascht von dieser Performance und auch leicht durchgeschwitzt machten wie es uns weiterhin im Intro Zelt bequem und warteten auf die nächste Band.

Foster the People sorgten vor allem bei ihren weiblichen Fans schon für Stürme der Begeisterung. Leider gab es technische Probleme beim Soundcheck und somit verzögerte sich der Konzertbeginn um eine halbe Stunde. Da ich schon im Pressegraben saß und wartete, bis es endlich los geht, hab ich komplett vergessen, dass Nicolas Jaar schon parallel spielte. Ich hab ihn also leider komplett verpennt… Schande über mein Haupt! Mittlerweile auch komplett allein unterwegs hörte ich The Naked and Famous auch nur aus der Ferne. Aber ich hab mir von meinen Kollegen sagen lassen, dass der Auftritt spitze gewesen sein soll. Kein Vergleich zu dem lahmen Haufen bei Rock im Park. Dann spielten Foster the People auch ihre ersten Akkorde. Weil mein Zeitplan aber sowieso schon total durcheinander war, beschränkte ich dieses Konzert aufs Bilder machen und rannte nach nur zwei (wirklich guten Liedern) direkt zu FM Belfast.

Ich hechtete durch die Menschenmasse, hörte den ersten Song schon aus der Ferne spielen und sprang in der Hektik einfach auf der falschen Seite der Absperrung in den Pressegraben. Pünktlich wie die Mauerer kam ich also an, musste mir aber einen kleinen Anschiss von der Security abholen. Aber alles halb so wild, denn diese Show entschädigte für alles. Das Publikum war komplett am Ausrasten und feierte alles, was die Jungs und Mädels aus Reykjavik  servierten. Dazu gehörten natürlich die absoluten Hymnen wie Par Avion, Underwear und auch das Rage Against the Machine Cover Lotus. Die Show artete wie erwartet schon fast in trashige aus. Spätestens als dann auch noch Welcome to the Jungle neu interpretiert wurde, verfestigte sich dieser Eindruck. Sympatisch und ausgelassen hüpfte sowohl Band als auch Publikum auf und ab und sorgten für einen Auftritt mit einem Platz in der „Best of my Life“- Kategorie. Wirklich live war hier bis auf den Gesang zwar nichts, aber das störte wohl Niemanden.

Die Anderen hatte ich zwischenzeitlich auch wieder gefunden. Wir brauchten nun etwas Ruhe und gingen wenige 100 Schritte Richtung Mainstage, um es uns auf der Tribüne gemütlich zu machen. The Drums waren gerade voll dabei und brachten Hits, wie Let‘s go Surfing, spielten aber auch neue Lieder. Da ich vorher relativ wenig Gutes über die live Qualität diese Band gehört hatte, lag die Messlatte nicht hoch. Es war dann aber trotzdem viel besser als erwartet. Auf CD gefallen mir die Jungs trotzdem besser… Da ist definitiv noch Luft nach oben!

Wenig Luft nach oben lässt der nächste Auftritt. Robyn enterte die Mainstage und stellte gleichzeitig den Headliner des Abends dar. Spätestens seit ihrer Body Talk Trilogie aus dem Jahr 2010 dürfte sie endgültig in den Pop Olymp aufgestiegen sein. Ich freute mich jedenfalls riesig auf ihren Auftritt. Einem Großteil der anderen Festivalbesucher ging es wohl auch so, denn die Bühne war brechend voll. Als dann mit Fembot gleich einer meiner Lieblingssongs zum Auftakt kam, gab es kein Halten mehr. Musikalisch war der Auftritt eher untere Liga. Ich stecke ihn mal in die Kategorie „Mini Playback Show“ aber Hey, total egal! Das ist ja schließlich Popmusik at it’s Best! Da darf man sampeln und schlecht Playback singen was das Zeug hält. Hauptsache die Show stimmt und das hat sie definitiv getan. Dancing On My Own hatte gigantische stimmliche Unterstützung vom Publikum und blieb mir besonders positiv in Erinnerung.

Langsam schwanden die Kräfte, aber ein Ende des Abends war noch nicht in Sicht. Vorher sollte mit Noze noch ein alter Bekannter auf der Gemini Stage für Stimmung sorgen. Wir haben den sympathischen Franzosen bereits öfters live gesehen. Aber der anstehende Auftritt versprach ein besonderer zu werden. Es sollte nämlich mit Unterstützung einer Band gespielt werden. Ich nahm also wieder meinen Platz im Pressegraben ein und musste kurze Zeit später feststellen,  dass hier etwas nicht stimmt. Das gesamte Monitoring auf der Bühne war ausgefallen. Der arme Nicolas wurde von seinen Bandkollegen allein auf der Bühne im Stich gelassen und versuchte die Lage zu retten. Hinter den Kulissen herrschte emsiges Treiben der Techniker. Auf der Bühne wurde ein kleiner Loop des ersten Songs laufen gelassen, um das mittlerweile pfeifende Publikum etwas in Zaum zu halten. Ich glaube, ich hab selten jemanden so gestresst gesehen! In diesen knapp 25 Minuten Angst, hat der arme Nicolas wohl fast alle seine Zigaretten geraucht und sich mit einer Flasche Sekt beruhigen müssen. Als es dann endlich los ging, waren viele Leute bereits wieder gegangen, bzw. leicht genervt. Somit war die Stimmung weit unter dem Niveau, als sie eigentlich hätte sein müssen. Viel mehr kann ich auch wieder nicht sagen, denn mein Zeitplan war erneut durcheinander. Also musste ich schnell zurück ins Intro Zelt, denn die Crystal Fighters sollten gleich ihren Auftritt beginnen.

Rein optisch machten die Fighters einiges her! Und auch die Songs versprachen live eine ganz schöne Wucht zu werden. Wieder wurden keine Wünsche offen gelassen und das Konzert startete bereits mit einem gewaltigen Kracher. Solar System ging kompromisslos nach vorne und brachte das Publikum zum schwitzen. Natürlich durfte auch der Eskalationshit I Love London in der Setlist nicht fehlen. Mir wurde die ganze Sache aber dann irgendwann zu anstrengend. Ich war ja schließlich schon lange auf den Beinen und konnte diese auch kaum noch spüren. Also beschlossen wir einen Haken an Tag eins zu machen.  Fast alles, was wir sehen wollten, haben wir auch gesehen. Also zurück zum Camp gewankt und dann noch ordentlich bis weit nach Sonnenaufgang den Sack zu gemacht.

Überraschend fit stand ich halb 10 auch schon wieder auf der Matte. Nichts tat weh, nur Durst war in rauen Mengen vorhanden. Also wurde direkt nach der erfrischenden Dusche da angefangen, wo bei Sonnenaufgang aufgehört wurde. Nachdem auch der obligatorische Mittagssnack vom Grill  eingenommen war, ging es dann erstmals ab zum Sleepless Floor.

No Regular Play von der Wolf+Lamb Bande waren gerade fleißig am Werk und begeisterten die Feierwilligen bei strahlendem Sonnenschein mit ihrer ganz eigenen Interpretation von Techno und House. Genau so stellt man sich einen Nachmittag mit Freunden vor. Wie im Jahr zuvor, konnte der Sleepless Floor zu 100% begeistern. Aber es kam die Zeit, da wollte ich auch mal ans Arbeiten denken. Also machte ich mich auf die Socken in Richtung Pressezentrum um ein Paar Bilder und Textschnipsel online zu stellen. Aber Pustekuchen! Das Internet war gerade hoffnungslos down… So viel zum Thema Arbeit. Dann also wieder zurück zum Camp und etwas Mut antrinken für das, was noch kommen sollte.

Um 20 Uhr standen wir dann wieder pünktlich zu The Hundred in the Hands in Reihe eins und wurden vom Duo aus Brooklyn bezaubert. Alle guten Songs des aktuellen Albums wurden zelebriert. Der Sound war großartig. Mehr gibt es da nicht zu sagen. Wirklich solider Auftritt.

Danach statteten wir dem Big Wheel den ersten Besuch des Wochenendes ab. Redshape stellte sein neues Live Projekt Palisade vor und im Anschluss daran versprach Ame ordentlich Stimmung zu machen. Wir tanzten uns also mit allerhand netter Menschen in den Sonnenuntergang und genossen die grandiose Location. Danach klinkte ich mich vorerst aus dem ganzen Trubel aus und bestieg den Bench Bagger, um etwas zu quatschen und ein paar Getränke zu mir zu nehmen. Natürlich sind auch ein paar Fotos der atemberaubenden Kulisse entstanden. Von oben sieht das Melt! schon sehr beeindruckend aus. Unter mir hörte ich die Hits der Streets, die zu diesem Zeitpunkt gerade ihre letzte Deutschland Show performten.

Aber irgendwann zog es mich dann doch wieder zum Partyvolk nach unten. Im Intro Zelt bereiteten sich Pioniere der elektronischen Musik auf ihren Auftritt vor. Ich freute mich bereits sehr, DAF einmal live zu erleben. Es hat schon etwas mystisches eine Band zu hören, die bereits die Jugend deiner Eltern beeinflusst hat. Die Energie, die von der Bühne ausging, steckte das Publikum voll an. Über 30 Jahre alte Stücke wie Tanz den Mussolini wurden von den Leuten geradezu verschlungen.

Danach war wieder ganz kurz Pause angesagt bevor es dann in die letzte Runde für diesen Samstag ging. Also setzte ich mich gemütlich auf die Tribüne der Mainstage und hörte den Editors zu. Eigentlich bin ich ja ein Fan dieser Band aber irgendwie kam ihr Auftritt etwas lieblos daher. Eventuell lag es ja auch nur daran, weil ich schon recht ausgepowert war. Leider spielte dann Totally Enormous Extinct Dinosaurs zeitgleich mit den Crystal Castles. Also mussten wir uns entscheiden und da mich Teed bereits vor zwei Wochen in Nürnberg überzeugen konnte, fiel die Wahl auf ihn. Auch hier gilt das Gleiche wie bisher beim Auftritt aller Künstler: Durchweg gut, super Stimmung, riesen Spaß! Und als ob das alles noch nicht genug wäre, statten wir der Bühne am Desperados Beach noch einen Besuch ab, wo Modeselektor gerade einen Track seines Kollegen Apparat zum Besten gab. Schnell zog es uns aber weiter zu Total Confusion und dort ließen wir dann auch den Abend/Morgen ausklingen. Wann genau ich dann endgültig im Zelt lag, bleibt wohl für immer offen…

Der letzte Tag sollte nicht ganz so anstrengend werden wie die zwei zuvor. In guter alter Tradition enterten wir am frühen Nachmittag den Sleepless Floor und verweilten dort auch recht lange. Ich stattete dann dem Pressezentrum noch einen Besuch ab und konnte tatsächlich sage und schreibe 9 Bilder hochladen… Klasse Leistung! Als ich dann die Intro Kneipe verlies, stand ich auf einmal im Regen. Was für ein Scheiß, dachte ich mir. Also fix Regencape gekauft und zum Zelt zurück. Es sollte nun bis spät in die Nacht hinein nicht mehr aufhören mit regnen.

Das hielt uns aber nicht davon ab die Cold War Kids anzuschauen. Das Publikum scheint es generell recht wenig gestört zu haben. Die Stimmung war weiterhin prächtig. Wieder gab es böse Überschneidungen im Zeitplan. Deshalb war nach knapp der Hälfte bei den Cold War Kids Schluss. Die Bag Raiders standen auf dem Plan. Dieses Konzert war eigentlich das Highlight meines Sonntags. Aber ich muss gestehen: Ich fand es langweilig. Wirklich live scheint hier bis auf den Gesang fast nichts gewesen zu sein. Die zwei Überkracher Shooting Stars und Way back Home hielten aber was sie versprachen. Kein schlechter Auftritt, aber nichts was in Erinnerung bleibt.

Zu dieser Zeit war der Regen so heftig, dass ich den trockenen Pavillon Ben Klock vorzog. Aber lange hielt es mich dann doch nicht am Camp. Ich wollte einfach die letzten Stunden Melt! genießen. Also zog ich mich warm an, schlüpfte in die Gummistiefel und ging zurück zum Gelände. Bodi Bill spielten gerade. Aber auf Grund der Tatsache, dass sie im Zelt spielten, war dieses natürlich bei Regen gnadenlos überfüllt. Der Sound kam mir auch etwas leise vor, also suchte ich nach drei Liedern wieder das Weite, denn ich wollte unbedingt Marcel Dettmann hören. Noch immer regnete es in Strömen. Aber das machte nunmehr gar nichts aus. Ich genoss einfach den extrem energetischen Berghain Techno, tanzte im Schlamm und genoss das sich  im Regen brechende Laserlicht. War auf jeden Fall ein super Erlebnis!

Meine letzte Amtshandlung des Jahres sollte ein Absacker-Bier im VIP  Bereich werden. Hier war die Party auch im vollen Gange. Getrunken wurde Einiges. Lag wohl auch daran, weil der Bereich überdacht ist und VIPs natürlich viel zu fein sind, um nass  zu werden. Als dann langsam die Müdigkeit einsetzte, machte ich mich wieder auf den Weg zum Camp. Ich blieb jedoch bei Pulp hängen, die genau in diesem Moment ihren Hit Disco 2000 zum Besten gaben. Das konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Wenig später reichte es aber endgültig und ich verließ das Gelände. Natürlich blieb ich wie jedes Mal noch auf dem Sleepless Floor hängen, wo gerade Chaim seine letzten Platten drehte und Skinnerbox bereits in den Startlöchern standen. Mittlerweile hatte es sogar aufgehört zu regnen. Aber es ging einfach nichts mehr. Ich musste einfach schlafen und das tat ich dann auch.

Das war also mein persönliches Melt! Erlebnis 2011. Man kann es zusammenfassend einfach als überragend bezeichnen. Das beste Festival in Deutschland, wohl auch eines der besten in Europa hat mir mein Herz bereits zum dritten Mal geschmolzen.

Danke Melt!

Mehr

Kurz Review: Jägermeister Wirtshaus Tour Nürnberg

Nürnberg, es steht wirklich ernst um dich. Wie kann es sein, dass in einer Stadt, die sich “Metropole” nennt einfach nichts los ist? Kaum serviert man den Menschen Kaviar verschmähen sie diesen und stürzen sich lieber auf das Aas.
Genau so geschehen gestern Abend. Das Jägermeister Wirtshaus gastierte in Nürnberg mit wirklich erstklassigen Acts an Bord. Aber niemand wollte sich so recht hinterm Ofen hervor locken lassen. Ich kann mit Sicherheit sagen, dass dieser Umstand nicht der Qualität der Veranstaltung geschuldet war. Mittlerweile lebe ich lange genug in Nürnberg um zu wissen, dass dies leider Dauerzustand ist.
In dieser Stadt scheint es einfach nur Extreme zu geben wie mir scheint! Auf der einen Seite Leute, die auf “harte” Rockmusik stehen, dann wiederum die R’n'B/Elektro/Charts Fraktion und in der anderen Ecke die auf 90er Jahre Techno hängen gebliebenen. Wo bleibt da die moderne Popkultur? Wo bleiben die Alternativen? Die Szene ist so klein, dass man in einer “Metropole” jedes Wochenende dieselben Menschen beim Weggehen trifft. Habt ihr alle Angst vor etwas Neuem?  Da stimmt doch irgendwas nicht…oder?! Liegt es an der fränkischen Mentalität oder was ist der Grund dafür, dass ich bei Konzerten nur mit 20 anderen Menschen im Raum stehe? Wo bleibt der Rest? Die können doch nicht jeden Tag im Planet/WON/Loop und wie sie alle heißen rumhängen.
Wie dem auch sei, ich hab genug gejammert. Nun soll der gestrige Abend inhaltlich noch etwas beleuchtet werden.

Los ging‘s für uns um kurz nach 19 Uhr, als wir uns im Biergarten der Lederer Brauerei einfanden. Kurze Zeit später teilten wir uns eine Bierbank mit Orlando Higginbottom alias Totally Enormous Extinct Dinosaurs und entlockten ihm im Interview ein paar sehr interessante Aussagen. Das komplette Interview lest ihr in Kürze genau an dieser Stelle.

So viel sei verraten, die deutsche Biergarten Kultur und natürlich das deutsche Bier wurden durchweg gelobt! Danach stand dann das Buffet auf dem Programm. Wir staunten nicht schlecht, als wir riesige Schäufele erblickten und schlugen uns prompt den Bauch bis Anschlag voll ;)
Zu dieser Zeit schien draußen parallel die Welt unter zu gehen, denn ein Gewitter hatte sich über Nürnberg festgesetzt. So kam drinnen romantische Wirtshaus Atmosphäre auf. Wirklich sehr nett! Allgemein kann man sagen, dass die Location wie die Faust aufs Auge gepasst hat. Rustikale Einrichtung, fränkische Küche und leckeres selbst gebrautes Bier vom Fass. So stellt man sich das vor!

Nebenan wurden dann schon die ersten TrashPop Beats von Dominic Pohlmann auf die (leider leere) Tanzfläche los gelassen. Danach sollte das Nürnberger DJ Duo Optimus Maximus für Stimmung sorgen, aber die Tanzfläche blieb immernoch größtenteils leer. Die Leute genossen viel lieber das gesellige Beisammensitzen samt Kicker, Tischtennis, Darts und Jenga.

Erst als dann um kurz vor 12 Totally Enormous Extinct Dinosaurs die Stage enterte war der Dancefloor gut gefüllt. Die Stimmung war durchweg sehr gut. Nach den Startschwierigkeiten des Publikums hatte ich schon böses geahnt (siehe Absatz oben). Aber scheinbar wurde der Nerv der Nürnberger Feierkultur ganz gut getroffen. Allen, die da waren hat es auch super gut gefallen. Wahrscheinlich kann man hier das gute alte Sprichwort “Was der Bauer nicht kennt, frisst er auch nicht” anbringen. „Totally wer? Jägermeister Wirtshaus? Is bestimmt doof, da geh ich nich hin…“
Den Auftritt von Totally Enormous Extinct Dinosaurs in Worte zu fassen fällt etwas schwer. Deshalb gibt es an dieser Stelle zwei Videos für euch.

Wie das bei live Acts so der Standard ist, war nach knapp 45min die Show auch schon wieder vorbei und D.I.M. übernahm das Ruder. Dazu kann ich nicht viel sagen. Ist halt Elektro/Techno Zeugs aus dem Hause Boys Noize Records. Und genauso kompromisslos, wie der Boys Noize Trademark Sound eben ist, war auch dieser Auftritt. 100% auf den Dancefloor, ohne Rücksicht auf Verluste. Wie gesagt, ganz Nett aber nicht mein Fall. Zu dieser Zeit verließen die meisten Gäste das Wirtshaus auch schon wieder. Ich blieb noch etwas, quatschte mit alten und neuen Bekannten, trank den ein oder anderen Jägermeister und machte mich letztendlich im Regen auf den Weg nach Hause (denn in der “Metropole” schließen die U-Bahnen pünktlich kurz vor 1 ihre Türen…).
An dieser Stelle geht noch ein Gruß raus an den Mann am Mischpul: Das nächste Mal bitte etwas leiser, ok?! Danke!

Es war auf jeden Fall wieder ein sehr geiler Abend. Jägermeister weiß einfach, wie man gute Partys feiert. Deshalb freuen wir uns schon wieder tierisch aufs nächste Mal wenn uns das Wirtshaus zu sich ruft.

Mehr

Review: Esben and the Witch & Mio Myo

Gestern Abend habe ich mich auf den Weg ins K4 gemacht, um Esben and the Witch zu sehen.
Um Haaresbreite hätte ich total verpasst, dass diese junge Band von der Insel überhaupt in Nürnberg zu Gast ist. Aber Gott sei Dank bin ich dann doch noch darauf gestoßen.
Esben and the Witch wurden ja dieses Jahr schon heftig gehyped, ja sogar als “die nächsten The XX” bezeichnet. Ich selbst war bisher ganz gut um diese Euphorie herum gekommen. Mehr als zwei Mal hatte ich das Album bisher nicht gehört. Lediglich der Marching Song hatte es mir samt seines Videos etwas angetan. Aber wie das ja so oft ist, wollte ich die volle Live Dröhnung. Manche Bands muss man einfach hautnah erlebt haben, um ihren Scharm zu entdecken. Gesagt, getan! Sonntagabend aufgerafft und voller Erwartungen den Club betreten. Erster Eindruck vom Publikum: ganz anders als erwartet. Die typische Indie Fraktion. Ich hatte irgendwie viel mehr düstere Gestalten erwartet…
Vor Ort habe ich dann auch erst erfahren, dass eine Vorband auftreten wird. Mio Myo sind scheinbar relativ kurzfristig als Supportact eingesprungen. Ich kannte die Band vorher überhaupt nicht, wusste also nicht was mich erwartet. Um ehrlich zu sein waren sie mir schon fast egal. Ich wollte ja schließlich Esben and the Witch sehen.

Pünktlich um 21 Uhr erklang dann auch die erste Gitarre begleitet von Synthi Melodien, Bass und Schlagzeug. Vom ersten Takt an zuckte es in meinen Füßen. Das war schon mal ein gutes Zeichen! Mio Myo machen Ghost Rock und wie sich nach anschließender Recherche herausstellt, haben die Jungs auch schon einige große Bands wie MGMT, The Whitest Boy Alive und !!! (Chk, Chk, Chk) unterstützt. Der Frontmann strahlte sympathische Indie-Verpeiltheit aus und hatte immer einen netten Spruch auf Lager. Das Publikum wurde von Anfang an einbezogen. Die Jungs hatten Spaß am Spielen und das merkte man auch. Ich war sofort hin und weg. Catchy Melodien, mitreißende Vocals und clever eingesetzte Effekte sowie Drummachines rundeten das Gesamtpaket ab. 45 Minuten vergingen da wie im Flug. Von Titel zu Titel hatte man das Gefühl, einen neuen Lieblingssong zu hören, den man spontan ins Herz geschlossen hat.
Nach dem Gig bin ich dann sofort zum Merch Stand gespurtet und hab mir das aktuelle Album HYPER ROMANTIC SYMBOLISM gekauft. Eins stand fest: Jetzt wird es schwer die Stimmung zu halten und an dieses Erlebnis anzuknüpfen.

Nach einer knapp viertelstündigen Umbaupause standen Esben and the Witch dann auch schon in den Startlöchern. Ihr Setup ist wohl eher als außergewöhnlich zu beschreiben. Eine Drummachine für die spärlich gesäten Beats. Ein bisschen Schlagwerk für perkussive Einlagen. Allerlei Gitarren (keine Akustik) und ein Kaoss Pad. Alles wird dabei von der Stimme der Sängerin Rachel Davies zusammen gehalten. Für alle, die die Band nicht kennen: Esben and the Witch machen “Nightmare Pop“. Das klingt erstmal komisch. Aber was die englische Presse an Vokabular erfindet, war ja schon immer diskussionswürdig…

Alle Lichter gingen aus, die ersten Töne erklangen. Schnell wurde aber klar: Hier passt was nicht… Probleme mit der Gitarre bzw. den Effekten kosteten fast 10 Minuten Zeit, in denen notgedrungen improvisiert werden musste. Fragmenthaft war schon der Marching Song zu erkennen. Nach allerlei Gebastel und nervösem Auf und Ab auf der Bühne, spuckte die zweite Gitarre dann doch einen Teppich aus bis zur Unkenntlichkeit verzerrten Tönen aus. Jetzt aber wirklich, der Marching Song, wohl bekanntester Titel der Band gleich am Anfang.
Leider war das dann auch schon fast das Highlight der Show… Eingefleischte Fans werden mich wohl beschimpfen. Aber ich fand alles etwas “unprofessionell”. Großes Problem der Band: Die Songs des Albums und deren Arrangements live umsetzen. Irgendwie schien hier nichts so recht zu passen. Dauernd stieg einer der Gitarristen aus, musste sich hinknien und an seinen Effekten basteln. Dann ständig dieses “klick” wenn die Gitarre gewechselt wurde. Das nervte schon etwas. Allein der Gesang hielt zeitweise die ganze Performance zusammen. In diesem Punkt gibt es aber sonst nicht viel zu meckern. Singen kann die gute Frau wirklich. Auch wenn eine gehörige Portion Echo wohl fast jeden nach Nachtigall klingen lässt.

Nun aber mal zur Inszenierung. Denn da wird vieles wieder wettgemacht, was der Sound etwas zerstört hatte. Wenn sich die 3 Bandmitglieder um die Drums versammeln, um gemeinsam darauf einzuschlagen, dann hatte das schon etwas Mystisches. Da kam wirklich Hexenatmosphäre auf. Rachel schmiss sich die Haare ins Gesicht und Tanzte wie vom Teufel höchst persönlich besessen. In solchen Momenten konnte die Band überzeugen und voll ihre mystische, kalte Stimmung entfalten. Rein musikalisch verkam das Gitarrenspiel Großteils in einen riesigen Haufen Effektmatsch. Andererseits gab es auch einige Glanzpunkte, bei denen das Zuhören durchaus Spaß gemacht hat. Gelinde gesagt, könnte man von einer “durchwachsenen” Performance sprechen.

Fazit des Abends: Esben and the Witch können ihrem Hype bei Weitem nicht gerecht werden und sollten an ihrem Live Konzept arbeiten. Inszenierung – Hui, Sound – Pfui.
Mio Myo haben die Messlatte einfach ein Stückchen zu hoch gelegt. Super Musik von sympathischen Jungs. Der neue Favorit im CD Regal!

Mehr